Als ich heute morgen in den Spiegel geschaut habe, war ich zufrieden mit mir. Zufrieden zumindest für eine kurze Zeit, genauer gesagt 12 Minuten. Denn 12 Minuten dauerte es, bis der Bus endlich an meiner Haltestelle hielt und ich mich in zwischen die Studenten quetschte. 12 Minuten, bis ich sie sah.

Sie hatte lange glatte, dunkle Haare, hohe Wangenknochen, große Augen, eine Stupsnase und als sie sich umdrehte, formte sie mit ihrem Mund ein Lächeln, das den ganzen Raum erfüllte.

Ich hatte sie noch nie gesehen, ich kannte sie nicht, doch sie war der Grund, dass ich mich auf einmal nicht mehr schön fühlte. Warum?

»Na, guck sie doch an. Sie ist ja wohl viel schöner als ich«

Mich durchflutete ein Gefühl der Enttäuschung. Das Gefühl, nicht mithalten zu können. Es war völlig paradox. Sie war eine Fremde, die ich wahrscheinlich nie wieder sehen würde.

Warum gab sie mir plötzlich das Gefühl, nicht gut genug zu sein?

 

Die Vergleichsfalle

Wahrscheinlich bin ich nicht die einzige, die hin und wieder solche Gedanken hat. Wir alle neigen dazu, uns aneinander zu messen, uns mit anderen zu vergleichen, auch, wenn es uns meistens nicht weiter bringt und in unserem Selbstwertgefühl Spuren hinterlässt. Es braucht oft nur einen Blick und wir fragen uns: Warum hat sie schöne glatte Haare und ich nicht? Wieso sind alle die anderen Mädels dünner als ich? Wieso bin ich nicht so erfolgreich wie sie ? Wieso komme ich nicht so gut bei den Männern an? Und, und, und …

Meistens wollen wir diese Gedanken überhaupt nicht. Wir wissen selbst, dass es uns nicht gut tut und wir uns lieber auf uns selbst und auf unsere Stärken konzentrieren sollten. Trotzdem vergleichen wir uns ständig mit anderen.

Aber warum?

 

Vergleiche sind eigentlich hilfreich

Vergleiche haben nicht sofort eine negative Bedeutung. Sie dienen uns zur Orientierung und zur Einordnung verschiedenster Eindrücke. Durch das Vergleichen wissen wir zum Beispiel, dass 40 Kilo bei einer Körpergröße von 1,70 m Untergewicht bedeutet, dass 4 Euro kein fairer Stundenlohn ist, und dass man mit der Note 1,3 eine gute Leistung erbracht hat, wenn die Durchschnittsnote 2,8 beträgt. Durch Normen und Mittelwerte können wir andere und uns selbst besser einschätzen. Sie sind wichtig, damit wir uns in der Welt zurecht finden und sichergehen können, dass das, was wir tun, richtig ist.

Vergleiche helfen uns zudem, uns selbst besser einzuschätzen. Als ich zum Beispiel mit Freunden für eine Klausur lernte, merkte ich, dass die anderen schon weitaus mehr wussten als ich. Dadurch wurde mir bewusst, dass ich noch mehr lernen muss, um die Klausur zu bestehen. Im Alltag passieren diese Vergleiche oft unbewusst. Es dauert nur einen winzigen Moment und unser Blick oder unserer Gedanke bleibt an etwas hängen, das uns einen klitzekleinen Stich versetzt. Es sind Erfolge, das Aussehen oder einfach die soziale Situation der anderen, die wir beneiden. Doch es handelt sich meist nicht nur um Vergleiche, die ein negatives Gefühl für uns zur Folge haben.

Genauso oft vergleichen wir uns mit anderen, denen wir unserer Meinung nach überlegen sind. Dies tun wir, um unser Selbstwertgefühl zu erhöhen und uns unserer positiven Seiten bewusst zu werden.

Vergleiche an sich sind also nicht schlecht, allerdings können sie zu einem Problem werden, nämlich dann, wenn wir uns ständig mit anderen vergleichen, die aus unserer Sicht ‘besser’ sind.

 

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Wie Vergleiche Dich unglücklich machen

»Comparison makes us obsessed with trying to ghostwrite other people’s stories instead of writing our own.« – Paul Angone

Vergleicht man sich immer aufwärts, d.h. mit einer Person, die in einer Aktivität oder einer Eigenschaft überlegen ist, kann dies Folgen für das Selbstwertgefühl haben. Nehmen die Selbstzweifel zu viel Platz in unserem Denken ein, versteifen wir uns zu sehr auf eine einzige Eigenschaft und blenden dabei die Dinge aus, die uns zuvor positiv an uns selbst aufgefallen waren. Obwohl es nur um eine einzige Sache (z.B Haare, Figur) geht, glauben wir schnell nicht mehr liebenswürdig zu sein. Häufen sich die Vergleiche, können diese zwanghaft werden und unser Selbstwertgefühl immer stärker beeinträchtigen. Um dies zu verhindern, nutzen wir Menschen verschiedene Möglichkeiten.

Was tun wir nun, wenn dieses Gefühl, diese Angst, schlechter zu sein als andere, uns wieder einmal überrascht?

 

Als ich vor einigen Jahren mit meiner besten Freundin anfing zu turnen, dauerte es nicht lange, bis ich herausfand, dass sie viel besser darin war als ich. Ich war ehrgeizig, eines Tages genauso gut zu werden wie sie.

Doch alles üben und trainieren nützte nichts – sie war immer einen Tick besser als ich.

Obwohl es mir Spaß machte, stellte ich fest:

Im Turnen bin einfach nicht so gut.

Ich überlegte damals, was ich tun könnte. Zuerst war ich natürlich wütend und enttäuscht: “Warum kann meine beste Freundin das so gut und ich nicht?”  Ich realisierte, dass es verschiedene Wege gab, mit dieser Unzufriedenheit umzugehen:

  1. Das Turnen aufgeben.
  2. Meine beste Freundin aufgeben.
  3. So viel üben, dass ich genauso gut bin wie sie.
  4. Die Situation akzeptieren und mich für meine beste Freundin freuen.

Damals entschied ich mich dafür, mit dem Turnen aufzuhören. Viele Menschen wählen diese Option (meist unbewusst ) aus, ohne dabei zu bemerken, dass sie damit ein Hobby aufgeben, das ihnen eigentlich Spaß gemacht hat. Heute würde ich mich wahrscheinlich für die letzte Option entscheiden, denn ich weiß, wie ich mich aus der Vergleichsfalle befreien kann.

Doch wie schafft man es, sich weniger mit anderen vergleichen?

Um die Antwort dieser Frage ein bisschen näher zu kommen, habe ich für euch 6 Erkenntnisse zusammengestellt, die jedem von euch twentysomethings helfen sollen, den Vergleichszwang zu überwinden.

 

6 Erkenntnisse, um deinen Vergleichszwang zu überwinden

 

1.Einige Dinge sind einfach nicht vergleichbar.

Stellt dir vor, ein Affe, ein Fisch, ein Elefant und ein Tiger sind in einer Schulklasse. Der Lehrer gibt ihnen nun die Aufgabe, einen Baum hinaufzuklettern. Wären in dieser Aufgabe alle gleich gut ? Während der Affe wohl in Nullkommanichts oben angekommen wäre, wird der Elefant niemals auch nur 30 cm den Baum hochklettern können. So ähnlich ist es auch mit den Menschen. Wir haben alle verschiedene Stärken, verschiedene Eigenschaften und verschiedene Gesichter. Würde sich der Elefant nun mit dem Affen oder dem Tiger vergleichen, würde man sagen: ,, Das ist doch total sinnlos und falsch.’

Auch mit uns Menschen ist es so. Oftmals sind wir so unterschiedlich, dass ein Vergleich überhaupt keinen Sinn macht.

 

2. Jeder Mensch ist einzigartig

Hast du schon einmal jemanden kennengelernt, der genauso ist wie du? Jemand, der genauso aussieht und sämtliche Eigenschaften mit dir gemeinsam hat?

Hat man nicht gerade einen Zwillingsbruder ist es sehr unwahrscheinlich, jemanden zu finden, der uns annähernd gleicht. Jeden von uns gibt es nämlich zum Glück nur einmal.

Das bedeutet, dass es vielleicht Menschen geben mag, die besser sind als wir in einem Hobby oder schönere Haare haben, doch niemanden, der genau dasselbe Gesamtpaket bietet. Jeder ist auf seine eigene Art irgendwie besonders und schön.

 

3.Hintergründe bedenken

Wenn du dich schon mit anderen vergleichst, ist es sinnvoll, diesen Vergleich auch zu Ende zu führen. Das heißt, anstatt festzustellen: ,,Frau X verdient drei mal so viel wie ich!’’, solltest du überlegen, wie es dazu gekommen ist, wie das Leben von Frau X aussieht und was sie für diese Aussage tun muss. Es kann gut sein, dass Frau X 10 Stunden pro Tag arbeitet und kaum Freizeit mehr hat. Nun frage dich: Will ich auch so ein Leben? Oftmals stellt man dann fest, dass man mit dem eigenen Leben doch ganz zufrieden ist, auch wenn man zum Beispiel weniger verdient.

 

4.Die Situation bedenken

Sehen wir etwas Besonderes an Menschen, schreiben wir es meist ihrem Charakter zu. Dabei kann es genauso gut sein, dass diese beneidenswerte Eigenschaft auch nur der Situation zuzuschreiben ist. Vielleicht war das hübsche Mädchen aus dem Bus gerade beim Friseur, vielleicht bekommt sie von den Eltern so viel Geld, dass sie sich gute Extensions leisten kann oder ich hatte gerade mal wieder meine Brille vergessen und würde beim genaueren Hinschauen bemerken, dass sie eigentlich gar nicht so hübsch ist.

Es hilft also, auch die Situation miteinzubeziehen, denn wir wissen nie, was ein Mensch zuvor erlebt hat. Jemand, der nicht den gleichen Weg gegangen ist wie du, kann man auch eigentlich nicht mit dir vergleichen.

 

5.Was willst du?

Im ganz normalen Alltag lassen wir uns, oft unbewusst, stark von anderen beeinflussen. Immer wieder probieren wir dabei, die Erwartungen von anderen zu erfüllen, anstatt uns zu fragen:

»Was will ICH eigentlich?«

Stell dir einmal vor, du wärst ganz allein auf der Welt. Stell dir vor, dass dich niemand beurteilt oder unzufrieden mit dir sein kann. Wie würdest du nun sein wollen? Blendet man seine Mitmenschen einmal aus, bemerkt man, dass man auf einige Dinge verzichtet aufgrund von anderen. Vielleicht würdest du dir gerne kurze Haare schneiden lassen, aber dein Freund mag keine kurzen Haare, oder du hättest gerne ein Tattoo und hast Angst davor, was andere darüber denken könnten. Wärst du allein auf der Welt, würdest du dir über so etwas Gedanken machen? Wahrscheinlich nicht. Du würdest deine Träume und Wünsche einfach erfüllen, ohne viel darüber nachzudenken. Genau das sollten wir auch im echten Leben tun. Einfach so sein, wie wir gerne sein würden. Denn wer so ist, wie es gerne wäre, hat keinen Grund mehr, sich mit anderen zu vergleichen.

 

6.Akzeptanz

Man kann Haare färben, Schminke auftragen, ins Fitnessstudio gehen und die schönste Kleidung kaufen, doch wenn man nicht gerade eine Schönheitsoperation geplant hat, bleiben viele Dinge doch unveränderbar. Der Klang der Stimme, die Größe der Nase und der Körperbau bleiben erhalten, egal wie man daran zu rütteln versucht. Natürlich ist nicht jeder so zufrieden, doch Meckern hilft bekanntlich nicht. Dinge, die man nicht ändern kann, muss man akzeptieren. Als ich das Mädchen im Bus anschaute, musste ich mal wieder traurig feststellen, dass meine Haare leider eher einer Löwenmähne ähneln statt glatt zu sein. Früher hatte ich die Haare deswegen jeden Tag geglättet. Heute bin ich zwar immer noch nicht hocherfeut über meine Haare, doch ich habe sie so akzeptiert und probiere darin einen Vorteil zu sehen. Volume-Shampoo brauche ich zumindest nicht kaufen.

Neben meinen Haaren gibt es viele weitere Eigenschaften an mir, die mir nicht gefallen. Während ich früher all meine Freunde vollgejault und nach Rat gefragt habe, bin ich heute gelassener. Bin ich unzufrieden mit etwas, dann probiere ich es einfach zu verändern.

»Es ist nicht gesagt, daß es besser wird, wenn es anders wird. Wenn es aber besser werden soll, muß es anders werden.« – Georg Christoph Lichtenberg

Ich habe zudem gelernt, dass es Dinge gibt, die ich nicht ändern kann. Doch ich habe mich dazu entschieden, in allem, was zu mir gehört , auch etwas Gutes zu finden. Ich bin vielleicht klein, aber dafür kann ich hohe Schuhe tragen. Ich bin verträumt, aber dafür habe ich viel Fantasie. Und ich bin tollpatschig, aber dadurch haben meine Freunde zumindest immer etwas zu lachen.

 

Fazit

Natürlich ist das nicht immer so einfach und all diese Tipps sind nicht immer so einfach umzusetzen, besonders da Vergleiche sich oft schnell und unerwartet in unseren Verstand einschleichen.  Mit etwas Optimismus und Übung kann man allerdings lernen, die Vergleiche zu stoppen oder sie in eine positivere Richtung zu lenken. Als ich an diesem Tag nach Hause kam, beschloss ich, mir bei Youtube einige Videos zu Frisuren für meine dicken Haare anzuschauen. Ich brauchte 12 Haarklammern und 4 Zopfgummis, doch am Ende kam eine schöne Frisur dabei heraus. Eine Frisur, die mit dünnen, glatten Haaren nicht möglich gewesen wäre.

 

Vergleichst du dich auch mit anderen Menschen?

 

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Lisa Carstensen

Lisa ist offizielle Co-Autorin des twentysomething 1×1.
Sie schreibt gerne über ihre Lieblingsthemen Reisen, Studium und Beziehungen. Ist sie nicht gerade mit ihrem Psychologiestudium beschäftigt, findet man Lisa wahrscheinlich an der Nordsee oder am anderen Ende der Welt.