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Vor einigen Tagen sprach ich mit einer Freundin. Während sie in ihrem Milchkaffee herumrührte, seufzte sie. “Ich hatte gestern ein Date.”, und blickte trübselig auf ihre Tasse. “Und?”, fragte ich.

“Er war ja ganz nett, aber irgendwie nicht mein Typ.” “Was wäre denn dein Typ?”, fragte ich sie!

“Hmm groß und sportlich, schlank, braune Haare, braune Augen, lustig, intelligent, ordentlich, charmant, gesprächig, treu, fürsorglich, es muss einfach passen.”

“Es würde vielleicht einfach passen, wenn deine Liste kürzer wäre.”, dachte ich, aber natürlich sprach ich das nicht aus. Ich tätschle ihr einmal über den Rücken und versichere ihr zum 100sten Mal, dass ihr Traummann schon bald in ihr Leben treten wird.

 

Mehr, besser, schöner: Die Suche nach Perfektion

Wir alle haben so eine Liste. Vielleicht sind wir uns dessen nicht direkt bewusst, doch es gibt sie.  Und wir sind alle auf der Suche nach dem perfekten Gegenstück . Es soll der Eine sein, der uns auf Händen trägt und uns all die romantischen Vorstellungen erfüllt, die durch das Lesen von Nicolas Sparks Büchern und das Schauen von Hollywood-Liebesfilmen in unserem Kopf herum schwirren.

“Das musst du tun, damit du endlich deinen Traummann findest.” “Die 10 Eigenschaften einer Traumfrau”. “Wie du in 10 Schritten deinen Traumjob findest”. An jeder Ecke, in jedem Magazin und auf jedem Blog kriegen wir Tipps wie wir endlich unser Leben perfekt machen und das ganz große Glück finden.  Den perfekten Job finden, das sollte jeder von uns tun, und am besten noch mit seinem Traumpartner an der Seite.

Wir haben diese Vorstellungen im Kopf. Groß sind sie und schön und fast vollkommen. Jedes kleinste Detail ist bereits an seinem Platz. Wir wissen genau, wo wir hin wollen. Wir wissen genau, was wir wollen. Und meistens ist das ziemlich viel.

Als ich später nach dem Treffen nach Hause kam, setzte ich mich an den Laptop. Schließlich war auch ich auf der Suche. Auf der Suche nach dem perfekten Studiengang. Ich googelte mich durch das Internet, wobei ich in jeder kleinsten Nische nach Informationen suchte. Ich versuchte herauszufinden, wie viel ich später wohl verdienen würde, wenn ich Architektur oder BWL studiere. Ich durchsuchte Listen und las Erfahrungsberichte von Absolventen.

Enttäuscht musste ich feststellen, dass mich all das nur noch mehr verwirrte.  Ich fand keinen Studiengang und keinen Beruf, der all das verband, was ich mir wünschte. Das, was sich in meinem Kopf zu dem perfekten Mix zusammengebraut hatte, existierte schlichtweg einfach nicht.  Ich blickte auf die Bilder über meinem Schreibtisch. Auf einer Karte stand der Spruch:

Träume nicht dein Leben, lebe deine Träume.

Auch ich hatte dieses Zitat zu Beginn meiner Zwanziger zu meinem Lebensmotto erklärt, doch nun riss ich den Zettel ab. Wie sollte ich meinen Träumen folgen, wenn sie in so einer großen Zahl und Vielfalt vorhanden waren, dass ich sie nicht zielstrebig verfolgen konnte? Und warum wird das Wort Traum immer mit der Erfüllung aller Wünsche, der Perfektion gleichgesetzt? Waren echte Träume nicht durcheinander und bunt und unvollkommen?

 

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Ist das schon alles?

Ich weiß nicht, wer diesen Spruch erfunden hat, doch irgendwie ist er für viele von uns zu einem Ausdruck einer Suche nach vollkommenem Glück geworden. Wir suchen nach Jobs, die all unsere Interessen abdecken und uns mit einem Lächeln auf die Arbeit gehen lassen und wenn man die erste Eigenschaft des Partners bemerkt, die einem nicht gefällt, entwickelt man sofort Zweifel an der ganzen Beziehung.

Ständig ist diese eine Stimme in unserem Kopf, die uns fragt: Gibt es da draußen vielleicht doch noch etwas Besseres für mich?

Wir suchen immer weiter und rennen dem Glück hinterher. Wir bilden uns ein, dass wir es wissen müssten, wenn wir endlich angekommen sind.  Wir wollen immer noch einen Schritt weiter, ein Stück höher.  Wir tragen einen Schutzanzug aus Erwartungen mit uns herum, der immer schwerer wird.

Dabei vergessen wir total, auf das zu blicken, was wir bereits haben oder was gerade vor uns liegt. Unser starrer Blick geht an der Schönheit des Unperfekten vorbei.

 

» Nothing is perfect. Life is messy. Relationships are complex. Outcomes are uncertain. People are irrational.« – Hugh Mackay

 

Während ich das Internet nach meinem Traumjob durchforstete, realisierte ich irgendwann, dass ich auf der Suche nach einem Irrtum war.

Es gab nicht den perfekten Job für mich, genau wie es wahrscheinlich nicht den einen Traummann gibt. Es gibt viele verschiedene Jobs, die alle ihre Vor- und Nachteile haben und jeder von ihnen würde auf eine andere Weise gut zu mir passen.

Lehrer wäre ein passender Beruf, weil ich gerne erkläre, Therapeut, weil ich Menschen gerne helfen möchte und Journalistin, weil ich gerne schreibe. Es gibt viele Wege, die mich auf eine bestimmte Art und Weise glücklich machen würden.

Genauso ist es mit dem zukünftigen Partner. Vielleicht wird es Tom, mit dem alles so lustig und unkompliziert ist, der aber nicht so viel erzählt. Oder Max, der zwar diese laute, schräge Lache hat, dafür aber fürsorglich ist und die besten Geschichten erzählt. Oder Niklas, mit dem man immer über alles reden kann und der genau denselben Musikgeschmack hat. Wen interessiert es da, dass er kein Sixpack hat?

Mit jedem von ihnen wäre das Leben ein wenig anders. Mit keinem von ihnen wäre es perfekt, aber auf eine andere Weise besonders.

Anstatt nach dem Perfekten zu suchen, müssen wir herausfinden, welche Werte uns am wichtigsten sind. Vielleicht müssen wir unsere vollkommenen Erwartungen nehmen und sie ein bisschen demolieren, damit sie realistisch und wahr werden können.

Das Wichtige ist: Wir dürfen nicht jeden Tag an unseren Gefühlen und Entscheidungen zweifeln. Wir sollten uns fragen, ob wir glücklich sind, doch wir müssen gleichzeitig aufpassen, dass wir uns das Glück nicht ausreden.

Anstatt nur die Nachteile unseres Studiengangs, Jobs oder unseres Partners zu sehen, sollten wir uns jeden Tag daran erinnern, warum wir diese Wahl einmal getroffen haben.

Warum erschien mir das perfekt? Warum war das mein Traum?

 

Wer Perfektion finden will, wird ewig weitersuchen

Es gibt nicht den einen Traummann und es gibt auch nicht den einen Traumjob. Es gibt immer hunderte Alternativen, die verlockend erscheinen.

Doch wir haben eine Wahl. Jeden Tag. Immer wieder. Anstatt wegzurennen, müssen wir uns jeden Tag wieder dazu entscheiden, dass diese Wahl die richtige war.

Jeder von uns muss lernen, sich selbst zu vertrauen.

Keiner von uns wird einen Partner oder einen guten Job finden, wenn wir unser Bauchgefühl ausschalten und stattdessen mit einer Liste von Erwartungen durchs Leben gehen.

Wir müssen lernen über kleine Laster hinwegzuschauen und uns auf das zu konzentrieren, was uns gefällt und uns das Gefühl vermittelt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Denn wenn wir nicht nach Perfektion suchen, sondern einem bunten Mix aus Eigenschaften, dann werden wir genau das Richtige für uns finden.

Vor zwei Tagen traf ich noch einmal die Freundin. Sie saß mir gegenüber und wischte mir ihrem Finger über ihr Smartphone. Als ich sie anschaute, verdrehte sie die Augen: “Der Typ von letztens hat nochmal geschrieben.” Sie klang genervt.

“Und?” , fragte ich nur.

“Er will sich nochmal mit mir treffen.”

“Und was spricht dagegen?”, frage ich und schaute sie erwartungsvoll an.

“Naja, er ist irgendwie nicht-.” Ich unterbrach sie: “Perfekt?”

“Jaaa.”

“Das wird auch kein anderer sein.”, sagte ich.

 

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Pascal Keller

Pascal ist Gründer und Autor des twentysomething 1x1. Er hat zwar nicht alle Antworten auf das Leben als twentysomething, aber er versucht sie zu finden und damit anderen jungen Menschen zu helfen ihre Zwanziger zur besten Zeit ihres Lebens zu machen.