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Feuerwehrmann, Profifußballer, Ballerina, Lehrer oder Tierarzt. Als Kind wechselt unser Traumberuf fast täglich, je nachdem was gerade unsere Aufmerksamkeit geweckt hat. Mit der Pubertät kristallisiert sich bei vielen ein eindeutiger Berufswunsch hinaus.

Einigen von uns sind sich jedoch unsicher, in welche Richtung es gehen soll.

Möchte ich Menschen helfen? Möchte ich ein Lehrer sein? Will ich lieber einen kreativen Job? Was genau macht man in den einzelnen Berufen eigentlich? Ist mein Job wirklich der richtige für mich?

Schulabgänger, Studenten und sogar Menschen, die bereits fest in die Arbeitswelt integriert sind, stellen sich solche Fragen, immer mit der Hoffnung, den Job zu finden, der wirklich zu ihnen passt. Den Traumjob.

Auch Jannike hat sich einige dieser Fragen gestellt und dazu entschlossen, ihren Job eine längere Zeit ruhen zu lassen und sich auf die Suche nach ihrem Traumjob zu machen.  In einem Jahr hat sie 30 Jobs getestet und davon auf ihrem Blog berichtet.

 

Wie finde ich den richtigen Job für mich? (Interview mit Jannike Stöhr)

 

Hallo Jannike Du hast im letzten Jahr eine Menge Praktika absolviert und hast viel darüber geschrieben. Wie bist du auf die Idee gekommen, solch ein Projekt zu machen?

Ich habe den Ratgeber “Wie man die richtige Arbeit für sich findet” gelesen und darin von einer Belgierin erfahren, die ebenfalls Jobs getestet hat. Lange Zeit hatte ich überlegt, mich beruflich umzuorientieren, aber konnte mich nicht entscheiden, ob ich jetzt Tischlerin, Journalistin oder doch lieber Fotografin werden sollte. Die Idee, die Berufe erst kennenzulernen, bevor ich mich für einen neuen entscheide, hat mich überzeugt.

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In welchem Beruf hast du vorher gearbeitet? Was hat dich dort gestört?

Vorher habe ich in einem großen Konzern als Personalerin gearbeitet. Es war nicht so, dass mich wirklich etwas gestört hat, ich fühlte mich eher fehl am Platz und dass ich eigentlich woanders hingehöre.

 

Deine Praktika hast du an ganz unterschiedlichen Stellen absolviert. Du warst in einer Kita, in der Schule, im Architektenbüro, bei einem Politiker und sogar in der Kirche. Nach welchen Kriterien hast du die Jobs ausgesucht?

Zuerst habe ich überlegt, was ich als Kind werden wollte, was andere Menschen für einen passenden Job für mich hielten und, was ich schon immer mal kennenlernen wollte. Dreizehn Berufe standen zu Beginn auf meiner Liste. Mit der Zeit kamen dann immer mehr dazu. Später habe ich auch viele Einladungen von leidenschaftlichen Menschen bekommen und ich habe auch exotischere Berufe ausprobiert, wie Tierpräparatorin oder Concept Artist.

 

Ein Praktikum hast du in der Online- Reaktion des Frauenmagazins myself gemacht.  Wie bist du an solche Jobs herangekommen?

Journalistin war mein heimlicher Favorit unter den Jobs. Eines Tages kam eine E-Mail von einer myself-Redakteurin und fragte, ob sie mich zu meinem Projekt interviewen dürfte. Kurze Zeit später kam dann noch eine Mail, in der sie mich fragte, warum ich eigentlich nicht gleich für ein Praktikum vorbeikäme. Viele andere Jobs habe ich über meinen Bekanntenkreis bekommen und über Empfehlungen. Fast jeder, bei dem ich ein Praktikum gemacht habe, hatte einen neuen Kontakt für mich.

 

Durch dein Projekt hast du nicht nur 30 Berufe getestet, sondern bist dabei zum Teil auch in verschiedene Städte gereist. Wo hast du dort übernachtet und wie hast du das ganze Projekt finanziert?

Übernachtet habe ich bei Freunden oder bei Couchsurfern. Das hieß dann tagsüber Praktikum und abends Zeit mit den Gastgebern verbringen. Auch wenn das wenig Privatsphäre zuließ, war ich froh, meine Erlebnisse am Abend immer teilen zu können. Wenn ich dann doch einmal mein eigenes Reich hatte, hat mir das richtig gefehlt. Finanziert habe ich das Projekt aus meinen Ersparnissen und dem Verkauf meines Besitzes. Ich habe meine laufenden Kosten soweit heruntergeschraubt, wie es nur ging. Ein Jahr Auszeit konnte ich mir so finanzieren.

 

Du hast viele neue Leute kennengelernt und durftest in verschiedene Jobs reinschnuppern. Gab es ein Erlebnis, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Unzählige. Das Projekt war zwar anstrengend, aber auch das beste Jahr meines Lebens bislang. Einen Moment, den ich natürlich nie vergessen werde, war, als ich in meinem Praktikum als Hebamme eine werdende Mutter zu der Geburt begleiten durfte. Mit ihr stehe ich auch heute noch in Kontakt und bekomme regelmüßig Fotos von ihrem Sohn.

 

Gab es einen Moment, an dem du das Projekt beenden wolltest?

Ja, den gab es auch. Ungefähr nach der Hälfte meines Projektes war ich dem ständigen Neuanfängen und wieder verabschieden einfach überdrüssig.

 

Eine Frage dürfte alle interessieren: Hast du nun eigentlich deinen Traumjob gefunden?

Vor dem Projekt dachte ich, ich könnte hinterher sagen, ich werde jetzt Architektin oder Lehrerin. Ich dachte, dass es den Traumjob gibt. Heute bin ich davon überzeugt, dass es mehrere Optionen gibt, die passen. Wichtig ist, sich selbst kennen zu lernen, wirklich zu wissen, was man kann, was einem Spaß macht und was einem wichtig ist.

 

Würdest du das Projekt noch einmal genau so machen, wenn du es aus der heutigen Sicht betrachtest? Falls Nein, was würdest du anders machen?

Ja!

 

Wenn du zwischen Leidenschaft, Spaß und Können abwägen müsstest, was glaubst du ist am wichtigsten bei der Berufswahl?

Ich glaube, diese Dinge lassen sich nur schwer trennen. Wenn du etwas leidenschaftlich machst, dann hast du auch Spaß daran und entwickelst Können.

 

Was würdest du anderen jungen Menschen in ihren Zwanzigern empfehlen, wenn sie noch unsicher sind, was ihr Traumberuf ist?

Ich habe einfach festgestellt, dass ich manche Entscheidungen besser nicht ausschließlich im Kopf treffe, weil ich schlichtweg zu wenig über die Welt weiß. Wie soll ich mich für einen Job entscheiden, wenn ich überhaupt nicht weiß, wie er sich in der Realität anfühlt? Meine Empfehlung ist daher, einfach mal Dinge auszuprobieren, sie sich in der Realität anschauen und mit den eigenen Vorstellungen abzugleichen. Und das muss ja nicht gleich ein Jahr Auszeit bedeuten, sondern könnte zum Beispiel in der Freizeit gemacht werden.

 

Würdest du dich auch trauen und solch ein Projekt starten?

 

Trau dich, und schreibe einen Kommentar über deine Erfahrungen.

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Über Jannike Stöhr:

Jannike ist 29 Jahre alt und hat vor ihrer Suche nach dem Traumjob als Personalerin in Deutschland und China gearbeitet. Zuvor hat sie eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation absolviert und berufsbegleitend Wirtschaftswissenschaften studiert. Nach einiger Zeit im Job hat sie festgestellt, dass “Personaleren” nicht ihr Traumjob ist Im Sommer hat sie sich dann in das Abenteuer gestürzt, um endlich ihre Leidenschaft zu finden.
Gerne kannst du sie auf ihrer Website besuchen oder ihr Buch ” Das Traumjob-Experiment: 30 Jobs in einem Jahr” lesen.

(Quelle Bilder :https://30-jobs-in-einem-jahr.de/ueber-mich/)

Lisa Carstensen

Lisa ist offizielle Co-Autorin des twentysomething 1×1.
Sie schreibt gerne über ihre Lieblingsthemen Reisen, Studium und Beziehungen. Ist sie nicht gerade mit ihrem Psychologiestudium beschäftigt, findet man Lisa wahrscheinlich an der Nordsee oder am anderen Ende der Welt.