V9ZJ5ZJXVQ-min

,,Ich vermisse dich!’’ , flüstere ich ein letztes Mal in den Bildschirm, bevor ich auf den roten Knopf klicke und das Skype- Fenster verschwindet. Ich starre in mein trauriges Gesicht, das sich auf dem Bildschirm spiegelt. Die Sonnenstrahlen fluten mein Zimmer. Langsam geht die australische Sonne auf .

Von Tag zu Tag scheint es ein bisschen schwerer zu werden. Skypegespräche, Whatsappnachrichten, Bilder und selbst handgeschriebe Briefe reichen nicht mehr.

Die Nähe fehlt.

Es sind nun schon mehrere Wochen. Je länger wir räumlich so weit von einander entfernt sind, desto mehr entfernen wir uns auch seelisch voneinander. So kommt es mir zumindest vor. Mein Freund versteht nicht, was ich hier mache, in Australien. Er hat nie den australischen Akzent gehört, Kängurus durch die Abendsonne hüpfen sehen oder die Entspannte Art der Australier kennengelernt. Ich wünsche mir, er wäre hier und könnte das alles sehen. Ohne ihn fehlt einfach ein Stück.

»Sometimes, when one person is missing, the whole world seems depopulated« – Lamartine

Als Teenager habe ich mir geschworen, nie einer von ihnen zu werden. Einer von den Menschen, die jede Woche hunderte Kilometer fahren, um ihren Freund zu sehen oder Pakete ans andere Ende der Welt schicken, um ihre Beziehung zu retten. Ich wollte einen Freund. Ich wollte Zweisamkeit und Überraschungsbesuche am Abend. Ich wollte am Wochenende lange im Bett liegen bleiben, um spontan zu entscheiden, zu zweit an den See zu fahren. Ich wollte gemeinsame Abende in der Bar mit gemeinsamen Freunden und hinterher bis zum Sonnenaufgang wachbleiben. Ich wollte jeden Tag neben ihm aufwachen. Ich wollte jemand, der auch nachts um drei Uhr da ist, wenn ich traurig bin. Ich wollte den ganz normalen Alltag mit all seinen Gewohnheiten und den vielen schönen kleinen Momenten. Ich wollte nie eine Fernbeziehung.

Nun stelle ich fest: Ich bin in einer Fernbeziehung.

Fernbeziehung. Ich glaube, ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass dieses Wort eines der unbeliebtesten Wörter der Welt ist.

Sogar mein Handy vermeidet es, indem es dazu neigt, es liebevoll zu Fernbedienung zu korrigieren. Eine Fernbeziehung bedeutet 1000 Wörter- Texte auf Whatsapp, stundenlange Skype-Gespräche, Mitfahrgelegenheiten und Bahn-Angebote, ganz viel Warten und ganz viel Vermissen.

»In a long distance relationship your love is tested & doubted every day, but you still prove to each other that it’s worth it« – Anon

 

Du bist uns WICHTIG!

Deshalb habe ich für Dich eine kleine Überraschung.

>> Hier geht es zu den Geschenken <<

 

Machen wir Schluss oder probieren wir eine Fernbeziehung?

 

Das ist die Frage, die sich immer mehr Paare stellen.

Auslandssemester, Freiwilligendienst, Praktikum, Studium, Sprachreise- Die Welt hält immer mehr Möglichkeiten für uns twentysomethings bereit. Wir sind frei und können gehen, wohin wir wollen. Einige verschlägt es nach Neuseeland, andere zieht es zum Studieren nach München und wiederum andere fühlen sich im Heimatdorf am wohlsten und bleiben dort wohnen.

Die Frage nach dem Wohin ist aber oft keine einfach zu beantwortende.

Was, wenn ich nach Berlin will, aber mein Freund nach Köln? Was, wenn ich ins Ausland will und mein Freund nicht? Was, wenn ich für meinen Traumjob wegziehen muss?

Was, wenn mein Freund weggeht, ich aber am liebsten noch zuhause bleiben will?

Eine Fernbeziehung ist normal geworden.

Viele Paare stecken in ihren Zwanzigern in diesem Wohnort-Dilemma. Aus einem Team werden auf einmal zwei Menschen mit unterschiedlichen Wünschen und Zielen.

Niemand will mehr der beliebte Nebencharakter sein. Wir wollen alle unsere eigene Geschichte schreiben und unser eigenes Ding durchziehen. Individualität und Freiheit steht in unserer Gesellschaft hoch im Kurs. Keiner will seine eigenen Pläne für die Liebe aufgeben, schließlich will niemand später etwas bereuen.

Was sollen wir also tun, wenn wir beide etwas unterschiedliches wollen? Mit unserem Partner in einer Sackgasse stecken? Was sollen wir tun, wenn wir zwar zusammen sein wollen, aber unsere individuellen Wünsche 1000 Kilometer auseinander liegen?

Erst einmal: Durchatmen. Am Anfang ist die Panik manchmal groß.

Als mir bewusst wurde, dass ich wohl bald in einer Fernbeziehung stecken würde, habe ich mich anfangs sehr hoffnungslos gefühlt. Zuvor war meine Beziehung eine Stütze für mich gewesen. Sie war wie eine schöne, kleine Hütte, in die ich mich jederzeit zurückziehen konnte, wenn mein Leben nicht ganz so perfekt lief. Nun kam es mir so vor, als hätte jemand meine Hütte auf einen riesigen Berg gestellt, ganz weit weg von mir.

Wie sollte ich da bloß hochkommen?

Zweifel sind also immer dabei. Es hilft, erst einmal alles durchzusprechen und verschiedene Szenarien zu durchdenken. Wenn dir deine Beziehung wirklich wichtig ist, könnt ihr vielleicht einen Kompromiss finden, bei dem jeder von euch trotzdem seinen Zielen nachgehen kann und der euch beide zufriedenstellt. Das ist natürlich nicht immer optimal, aber man kann bekanntlich nicht alles haben.

Diese Lösung gibt es leider nicht immer. Manchmal kommst Du um eine schwere Entscheidung nicht drum herum. Dann musst du abschätzen, was Dir wichtiger ist.

»Waiting is painful. Forgetting is painful. But not knowing which to do is the worst kind of suffering«

 

Sollte ich bei meiner Entscheidung auf meinen Partner Rücksicht nehmen?

 Vielleicht ist es ein Job bei einem angesehenen Unternehmen, vielleicht die langersehnte Weltreise oder das Auslandssemester. Es sind meist Dinge, von denen wir schon eine längere Zeit träumen. Reisen und Jobs, die wir nicht nur zur Aufpolierung unseres Lebenslaufs wollen, sondern weil sie einen Teil zu unserer Selbstverwirklichung beitragen. Wir sind uns ganz sicher: DAS IST ES!

Mit vollem Elan würden wir sofort unsere Koffer packen, wäre da nicht unsere Beziehung. Die ist damit oft schwer vereinbar.

Wer will schon um 6 Uhr morgens aufstehen, um zu skypen? Wer will am Freitag 5 Stunden im Fernbus sitzen? Wer will dieses sich anschleichende Gefühl des Vermissens, wenn es mal wieder Abschied bedeutet?

Eine Fernbeziehung ist anstrengend. Egal wie sehr ihr zusammenhaltet, die Distanz verlangt viel Liebe und Energie, die nicht jeder aufbringen will oder kann. Es bedeutet, dem Partner zu vertrauen, auch wenn Du dir nie sicher sein kannst, wo er sich gerade herumtreibt. Es kostet gute Organisation und Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten.

Einen Versuch ist es meistens wert, aber Du musst gründlich überlegen, ob Du diesen wagen willst.

Orientier dich bloß nicht an einem Kerl! Das kann ganz schnell zu Ende sein.

Du findest schon wieder einen Neuen!’’

Diesen Spruch sagte mir meine Oma damals vor meiner Entscheidung. Mich machte das natürlich erst einmal wütend. Was wusste sie schon, von meiner Beziehung?

Sie hatte ja gar keine Ahnung, was mein Freund mir bedeutet.

Noch heute denke ich oft über diesen Spruch nach. Ist jeder Mensch wirklich ersetzbar? Sollte ich einfach komplett unabhängig von meinem Freund entscheiden und hoffen, dass ich irgendwann schon einen neuen Kerl finden würde? Wie viel Wert soll ich den Menschen in meinem Leben zuschreiben? Wie viel sind mir meine eigenen Ziele wert?

Ich denke die Frage, ob man auf seinen Partner Rücksicht nehmen sollte, kann man nicht pauschal beantworten. Jede Situation und jede Beziehung ist anders. Zudem kann man nie sagen, ob eine Beziehung auch auf die Dauer halten wird. Es ist ein bisschen wie ein Glückspiel und man muss wissen, ob man das Risiko eingehen möchte oder nicht.

 

Was spricht für eine Fernbeziehung?

Eigentlich spricht nichts für eine Fernbeziehung, aber es spricht viel für deinen Traum und deine Ziele. Nicht jeder findet seinen Traumjob in seiner Nachbarschaft. Manchmal musst Du dein altes Zuhause verlassen und neue Orte aussuchen, um eine Etappe weiterzukommen. Das heißt nicht, dass du deinen Partner aufgeben solltest. Ist die Liebe stark genug und ihr habt Vertrauen zueinander, kann eine Fernbeziehung durchaus funktionieren. Falls die Beziehung dennoch zerbricht, bist du beschäftigt und hast jederzeit dein Ziel, an dem du dich festhalten kannst.

 

Was spricht gegen eine Fernbeziehung?

Menschen sind nicht immer ersetzbar. Nicht jede Beziehung ist für die Ewigkeit, doch manchmal hat man so eine starke Verbindung zu einem anderen Menschen, dass man sich sicher ist: Mit diesem Menschen möchte ich mein Leben verbringen. Für wen eine Fernbeziehung ein zu großes Opfer wäre, der kann seine Entscheidung also durchaus so rechtfertigen. Es gibt immer das große Risiko, dass man dadurch eine gute Gelegenheit verpasst und dies später bereut, doch wer sagt, dass eine Beziehung nicht auch ein Stück Selbstverwirklichung sein kann?

DSC00136-min

 

5 Wege, um eine Fernbeziehung leichter zu machen

 

1. Reden

Wenn schon ein Mangel an körperlicher Nähe herrscht, ist es wichtig, sich wenigstens geistig nah sein zu können. Dafür hilft es, wenn man jeden Tag kurz telefoniert oder skyped, um auf dem Laufenden zu bleiben. Zudem bleibst du dadurch im Leben deines Partners präsent.

 

2. Interesse statt Vorwürfe

Dem Partner Vorwürfe zu machen, warum er weggegangen oder nicht mitgekommen ist, bringt überhaupt nichts. Es ist wichtig, dass ihr euch beide mit der Situation abfindet. Ich werdet an beiden Orten komplett unterschiedliche Erfahrungen machen und euch verändern. Um all das, was um euch herum passiert, zu verstehen, ist es wichtig, dass man sich auch immer für die Erlebnisse des Partners interessiert. Hat dein Partner z.B. gerade in Australien den Uluru bestiegen, frag nach Bildern und hör dir seine Geschichten an.

 

3. Vertrauen und Ehrlichkeit

Das ist der wichtigste Punkt. Ohne gegenseitiges Vertrauen läuft gar nichts in einer Fernbeziehung. Obwohl keiner von euch weiß, was der Partner die ganze Zeit tut, sind Eifersuchtsanfalle und Kontrollanrufe Gift für die Beziehung. Geht doch einmal etwas schief, solltest du fair sein und dies deinem Partner beichten.

 

4. Überraschungen

Was schon in gewöhnlichen Beziehungen gut funktioniert, kann in einer Fernbeziehung wahre Wunder wirken: Eine Überraschung. Wieso planst du nicht einfach mal einen Überraschungsbesuch oder schickst einen lieben Brief?

 

5. Gemeinsame Pläne, an die man in schwierigen Zeiten glauben kann

Eine Fernbeziehung ist umso schwerer, desto weniger Hoffnung beide haben. Ist kein Ende in Sicht, ist es schwierig, seine Hoffnung nicht irgendwann zu verlieren. Seid ihr euch sicher, dass ihr zusammen bleiben möchtet, solltet ihr euch ein Zeitlimit ( z.B. 1 Jahr) setzen und dann eure Situation zusammen noch einmal überdenken. Am besten ist es, wenn ihr gemeinsam kleine Pläne für die Zukunft schmiedet wie z.B. einen Urlaub oder einen Besuch bei Freunden. Auch längerfristige Ziele wie zum Beispiel eine gemeinsame Wohnung können euch den Mut geben, weiter an der Beziehung festzuhalten.

»Distance means so little, when someone means so much.«

Fazit: Die Frage, ob du eine Fernbeziehung eingehen möchtest, ist nicht einfach zu beantworten. Du solltest dir dafür Zeit nehmen und abwiegen, wie viel Dir deine Ziele, aber auch wie viel dir dein Partner bedeutet. Andere mögen sagen, dass es schwach ist, auch den Partner in die eigene Wahl miteinzubeziehen, doch das ist es nicht unbedingt. Besonders heutzutage, wo Beziehungen oft zu schnell eingegangen werden und dann nicht lange halten, kann es etwas Besonderes und Schönes sein, wenn Du trotz der Entfernung an eure Liebe glaubst. Schließlich kann niemand wissen, wie lange ihr zusammen sein werdet. Es könnte auch für immer sein.

 

Hattest du schon einmal eine Fernbeziehung?

 

Trau dich, und schreibe einen Kommentar über deine Erfahrungen.

PS: Falls dir der Post gefallen hat, dann teile ihn doch mit deinen Freunden und allen twentysomethings, die ihre Zwanziger richtig leben wollen.

Lisa Carstensen

Lisa ist offizielle Co-Autorin des twentysomething 1×1.
Sie schreibt gerne über ihre Lieblingsthemen Reisen, Studium und Beziehungen. Ist sie nicht gerade mit ihrem Psychologiestudium beschäftigt, findet man Lisa wahrscheinlich an der Nordsee oder am anderen Ende der Welt.