VERLORENE LIEBE: WENN DU DIE RICHTIGE PERSON ZUR FALSCHE ZEIT TRIFFST

Am Morgen meines letzten Tages versank die ganze Stadt im Regen. Es war ein Sonntagmorgen und der Kater meiner Abschiedsparty immer noch am Abklingen. Ich lag neben ihr, in ihrem 90 Zentimeter-Bett und es war in diesem Moment das kleinste Glück der Welt. Ich schaute sie an, während sie noch schlief und konnte nicht realisieren, dass wir beide bald Geschichte sein würden.

Als sie aufwachte, lächelte sich mich an und gab mir einen Kuss. Sie sagte, sie hätte von mir geträumt. Ich sagte nicht viel, aus Angst, etwas Falsches zu sagen. Vielleicht hätte ich sagen sollen: »Ich bleibe hier!« Aber stattdessen lagen wir still-schweigenden nebeneinander und lauschten einfach dem Applaus des Regens.

Gedanken und Bilder gingen dabei durch meinen Kopf. Bilder von unseren gemeinsamen Momenten. Ich schaute sie an und mir fiel auf, dass sie eine kleine Narbe über ihrem Auge hat, die mir bisher noch nie aufgefallen war. Ich hatte so vieles an ihr noch nicht entdeckt… Doch nun war keine Zeit mehr dafür, denn heute war mein letzter Tag in Aguascalientes.

 

Ich hatte zum ersten Mal auf mein Herz gehört

Als wir uns kennenlernten, hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben wirklich auf mein Herz gehört. Ich hatte die Entscheidung getroffen meinen Traum zu verwirklichen und 6 Monate nach Mexiko zu reisen und dort als Social Trainee für AIESEC zu arbeiten. Ich wusste nicht genau, wo ich die nächsten Monate verbringen würde und ich wusste nicht, was ich dort genau tun würde. Aber ich spürte, dass es der richtige Weg für mich sein würde.

Unser erster Kontakt war eine kurze Mail: »Hello Pascal, I am Karina and I work for AIESEC Aguascalientes. I am responsible for your internship and I am going to help you find your host family. I would like to skype with you. When do you have time? Un beso, Karina. «

Zwei Tage später skypten wir und ich sah sie zum ersten Mal. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass das mit Kary “love at first sight“ war. Nein, das war es nicht. Aber es ist die Wahrheit, wenn ich sage, dass Kary mich damals mit ihrem Lächeln und ihrer südländischen Art ziemlich neugierig gemacht hat.

Sechs Wochen später kam ich in Aguascalientes an und Kary empfing mich. Ich erinnere mich noch daran, als ich damals aus der Ankunftshalle herauslief und ich ihr Lächeln zum ersten Mal in echt sah. Ich beobachtete, wie sich ihre Lippen rundeten, sich kleine Grübchen in ihren Backen formten und ihre Augen lachten.

»Wow, was für eine süße Frau!“, dachte ich damals.

 

Der Startpunkt einer Beziehung

In den ersten Wochen nach meiner Ankunft, sah ich Kary beinahe täglich. Sie zeigte mir die Stadt, erzählte mir von den mexikanischen Traditionen und brachte mir das Flirten auf Spanisch bei. Im Gegenzug war ich ein guter Schüler und brachte sie zum Lachen. Das reichte aus.

Eines Abends ging ich mit Freunden ein bisschen feiern, Kary war auch dabei. Wir tanzten die ganze Nacht und tranken viel zu viel Tequila. Dann stand sie plötzlich bei dröhnender Batchata-Musik neben mir vor der verschlossenen Klotür und fragte: »Wartest du schon lange?« Ich war betrunken und antwortete: »Auf jemanden wie dich? Schon sehr lange!« Sie fand das lustig und lächelte so, wie sie immer lächelte, wenn sie zwei Tequila zu viel hatte. Ich merkte, dass ich mich verliebt hatte. Ziemlich schlimm sogar.

Drei Tage später fuhren wir zum Festival Internacional del Globo in León und in der ersten Nacht des Festivals passierte das, was sich die Wochen vorher schon angekündigt hatte: Während tausende Laternen in den Himmel flogen, hatten wir unseren ersten Kuss. Wow!

Wenn es einen endgültigen Startpunkt für eine Beziehung gibt, dann war das unser endgültiger Startpunkt gewesen.

Um zu beschreiben, was wir danach zusammen erlebten, dafür reicht dieser Blogpost nicht aus.

Wir gingen auf hunderte weitere Dates und philosophierten über das Leben, bis uns die Augen vor lauter Müdigkeit zu fielen. Wir campten am Strand von Sayulita und machten Liebe mit den ersten Sonnenstrahlen. Wir aßen die besten Taccos Mexikos und ritten zusammen auf einem Pferd in den mexikanischen Sonnenuntergang (kein Witz).

Es waren so viele kleine und große Momente dabei und in dem Wissen, dass unsere Zeit begrenzt sein würde, fühlte sich jeder irgendwie besonders an.

Ich hatte nicht vor, bald nach Mexiko zurückzukommen. Ich sagte ihr das nicht, wahrscheinlich, weil ich es nicht noch komplizierter zwischen uns machen wollte. Wir sprachen sowieso nicht viel über unsere gemeinsame Zukunft. Keiner von uns wollte die Realität aussprechen.

Eigentlich wussten wir beide von Tag 1 an, dass wir zum Scheitern verurteilt waren und trotzdem verliebten wir uns. Vielleicht, weil wir uns beide irgendwie gesucht hatten. Vielleicht, weil wir uns beide brauchten. Vielleicht, weil wir naiv waren und auf etwas hofften, das nie eintreffen würden: uns irgendwann wieder zu treffen, irgendwann, wenn Zeit und Ort stimmen würden.

Sie fände es sehr schade, wenn ich bald nicht mehr da sei, sagte sie ab und an und schaute mich dann mit ihren großen brauen Augen an, als wäre sie ein Teddybär. Einmal, als sie das sagte, platzte es aus mir raus und ich fragte: »Und was, wenn ich einfach hierbleibe?« »Ach Quatsch«, sagte sie schnell. Ich glaube, sie hätte es nie gewagt, mich zu fragen, ob ich nicht doch alles absagen wollte. Sie hätte es gar nicht ertragen, dass ich ihretwegen bleibe. Aber sie hat es sich bestimmt gewünscht, vielleicht sogar so sehr, wie ich gerne geblieben wäre.

Nur: Was, wenn wir doch nicht zueinander gepasst hätten? Sollte ich meinen Lebensplan wegen dieses Hochgefühls umwerfen, das vielleicht wenige Wochen später weg gewesen wäre? Das war das Schlimmste: Mein Rückflug war gebucht und wir beide wussten, dass sich die Frage »Gehen oder bleiben, Kopf oder Herz?« gar nicht stellt. Gleichzeitig entband uns diese Feststellung von jeder Verantwortung. Nicht wir, sondern das Timing ist es gewesen!

 

Die Wahrheit über die Liebe

Oft glauben wir, dass Liebe so funktioniert: Wir treffen jemanden und spüren, dass diese Person, die richtige Person für uns ist. Wir daten diese Person. Haben den ersten leidenschaftlichen Kuss. Wir verbingen eine wunderschöne Zeit und kommen mit dieser Person zusammen. Wir heiraten, bekommen 2,5 Kinder und ziehen in das schicke Landhaus am See.

Das ist, wie Liebe in Hollywood-Filmen passiert.

Und das hier ist, wie Liebe (oft) in der Realität passiert: Wir treffen jemanden und spüren, dass diese Person, die richtige Person für uns ist. Wir daten diese Person. Wir verbringen eine wunderschöne Zeit zusammen und dann…ja dann, ist alles irgendwann einfach vorbei.

Wir heiraten diese Person nicht. Wir werden nicht die nächsten Jahre neben dieser Person aufwachen. Wir werden mit ihr nicht unsere Kinder im Landhaus am See großziehen.

Warum?

Weil das Leben oft seinen eigenen Plan hat und die Liebe manchmal einfach zum falschen Zeitpunkt in unser Leben kommt. Und das macht den ganzen Unterschied.

Denn seien wir mal ehrlich: Trotz verrückter Mengen an Romantik ist Liebe nicht immer genug, um zusammen zu bleiben. Natürlich ist das “Wer“ wichtig, natürlich spielt das “Wie“ eine Rolle, aber ich glaube, dass vor allem das “Wann” der entscheidende Faktor ist, wenn es um den Verlauf einer Beziehung geht.

Das habe ich in den letzten drei Jahren selbst oft genug erlebt und von anderen Freunden gehört.

unbenannt

So wie einer meiner Kumpels, der mir seit Jahren erklärt, er wäre noch immer mit seiner Exfreundin zusammen, wenn sie beide damals nicht zu jung gewesen wären. »Nie mehr werde ich jemanden so lieben wie sie«, sagt er dann gerne.

Oder eine Freundin, die vergangenes Jahr eine schmerzhafte Trennung hinter sich hatte. Sie wollte danach ihre Ruhe haben, sich selbst kennenlernen. Leider verliebte er sich Hals über Kopf in ihren neuen Mitbewohner, der natürlich zwei Monate später sein Auslandsjahr in den USA geplant hatte.

Beispiele wie diese gibt es wohl in jedem Twentysomething-Freundeskreis. Denn in keiner anderen Zeit unseres Lebens erleben wir so viel Veränderung, wie in unseren Zwanzigern. Es ist die Dekade unseres Lebens, die vor Abenteuer und Veränderungen nur so explodiert. Eine Dekade, die gepflastert ist mit neuen Menschen, Orten und Erfahrungen.

Und so passiert es häufig in den Zwanzigern, dass sich zwei Menschen treffen, die eigentlich zusammen gehören, aber deren “Wann” nicht passt. Manchmal ist das eigene Vorankommen gerade wichtiger. Manchmal die Karriere, die Familie oder der eigene Traum.

Und manchmal ist die schwierigste und gleichzeitig liebevollste Entscheidung dann, sich gegenseitig gehen zu lassen. Denn die richtige Person zur falschen Zeit, ist nicht die richtige Person.

 

Das traurige Ende einer Beziehung

Als meine Sachen gepackt waren, fuhren wir zum Flughafen. Auf der Fahrt sprachen wir kein Wort miteinander. Wir waren beide viel zu sehr mit uns beschäftigt. „So muss sich wohl ein Patient fühlen, wenn er gesagt bekommt, dass er nicht mehr lange hat“, dachte ich mir in diesem Moment.

Und wir beiden machten innerlich gerade das durch, was so ein Patient fühlt. In uns beiden herrschte ein Gefühlschaos. Trauer gemischt mit Hoffnung und Aussichtslosigkeit.

Eine Stunde später, war dann der Moment gekommen, den wir monatelang vermeiden wollten: “Flight to Frankfurt, please get ready for Check-in.“, schallte es aus den knirschenden Lautsprechern. Kary schaute mich an, als wollte sie sagen: »Jetzt oder nie!«. Doch die Würfel waren gefallen. Gegen uns.

10984498_10153080349245479_3678817812054347564_nAm Check-In Schalter verabschiedeten wir uns. Sie hatte Tränen, in den Augen und während wir uns ein letztes Mal umarmten flüsterte sie mir ins Ohr: »Te amo, Pascal!«

Das war das einzige Mal, dass ich Kary weinen sah. Und es war auch das einzige Mal, dass wir beide aussprachen, was wir wirklich füreinander fühlten: Liebe.

Als das Flugzeug losflog, las ich den Brief, den mir Kary zum Abschied geschrieben hatte und den ich erst im Flugzeug lesen sollte. Eine Träne rollte über meine Wange, während ich die ersten Zeilen las. Auf die erste Träne folgten leise weitere. Erst jetzt realisierte ich so richtig, dass unsere Geschichte vorbei war.

 

Warum es okay ist, Liebe zu verlieren

Mein Abschied aus Aguascalientes ist nun mehr als 1,5 Jahre her und ich habe Kary seitdem nicht mehr wieder gesehen. Ich würde lügen zu behaupten, ich wäre danach nicht glücklich geworden. Aber dennoch hat mich Kary noch lange nach meiner Rückkehr beschäftigt.

Zunächst skypten wir oft, ich schrieb ihr nachts WhatsApp-Nachrichten, wenn ich alleine war und ihr Lachen vermisste. »I`ll come to see you soon«, schrieb ich dann. Manchmal schaute ich mir unsere gemeinsamen Bilder an und hörte unsere Lieder. Dann kamen die ewig kreisenden Gedanken:

Hätte ich sie bloß ein halbes Jahr früher getroffen. Hätte ich sie lieber gar nicht getroffen. Hätte ich mit meiner Rückkehr bloß noch ein bisschen gewartet. Hätte ich sie nach Deutschland eingeladen.

Meine Freunde erteilten mir irgendwann ein »Hätte«-Verbot. Sie waren es wohl leid, während irgendwelcher Fußballübertragungen immer wieder die traurige Geschichte einer verlorenen Liebe vorgejammert zu bekommen.

Vor allem mein bester Kumpel hatte irgendwann genug und sagte mir deutlich seine Meinung, als ich mal wieder mit meinem »Hätte« anfing: »Dann was? Dann würdet ihr jetzt eure gemeinsame Wohnung einrichten oder wie? Vielleicht, vielleicht auch nicht! Euer Timing hat nicht gepasst!« »Das ist es ja«, jammerte ich weiter, »hätten wir uns ein Jahr vorher getroffen, dann hätte alles gepasst!« Mein Kumpel stöhnte auf: » Du mit deinem “Hätte”. Liebe braucht kein “Hätte“, kein “Sollte“ und auch kein “Wäre“, Liebe braucht ein “Ist“. Und ihr habt kein “Ist“. Punkt. Doch weißt du, was ihr beide habt? Ihr beide habt Erinnerungen, die euch niemand mehr nehmen kann und das ist verdammt viel wert!«

Dieser letzte Satz traf mich. Er tat weh, aber beinhaltete hatte eine verdammt große Portion Wahrheit.

Denn hier ist eine Wahrheit, die ich in den letzten Monaten über die Liebe gelernt habe: Nur weil wir manche Menschen nicht für immer in unserem Leben halten können, schmälert das nicht die Liebe, die sie uns gegeben haben.

Manche Menschen kommen nur für einen bestimmte Zeit in unser Leben, aber hinterlassen einen so starken Abdruck in unserem Herzen, dass wir immer lächeln werden, wenn wir an sie denken.

Manche Menschen können uns in 6 Monaten mehr lieben, als andere in 50 Jahren. Manche Menschen können uns innerhalb einer einzigen Woche mehr lehren, als andere im Verlauf eines ganzen Lebens.

Und wer sind wir, zu sagen, dass das nicht genug ist?

Wer sind wir, die Bedeutung dieser Menschen herunterzuspielen, unsere Erinnerungen an sie zu verdrängen oder zu vergessen, wie sie unser Leben zum Bessern verändert haben, nur weil unsere Wege irgendwann abgezweigt sind?

Vielleicht sollten wir einfach dankbar dafür sein, dass wir diese Menschen überhaupt kennenlernen durften.

Dass wir sie lieben durften. Dass wir von ihnen lernen durften. Dass sie unserem Leben ein Glücksgefühl gegeben haben, das wir so nie zuvor gespürt haben.

Eine Liebe zu verlieren muss nicht die größte Tragödie der Welt sein. Mit der richtigen Perspektive kann es sogar ein Segen sein. Immerhin gibt es Millionen von Menschen, die einmal in ihrem Leben gerne das gehabt hätten, was wir hatten.


PS: Gestern war Kary’s Geburtstag und ich schrieb ihr: »Thank you for giving me some of the best days of my life. Te extraño, Pascal.«

Sie rief mich an und sagte, sie vermisse mich ebenfalls. Eine Liebe zu verlieren, ist eben manchmal doch nicht so leicht

 

Hast du auch schon einmal eine Liebe verloren?

Schreibe einen Kommentar und lass es mich und die Community wissen.

PSS: Falls dir der Post geholfen hat, dann teile ihn doch mit deinen Freunden und allen Twentysomethings, die ihre Zwanziger richtig leben wollen.

 

Das solltest du als nächstes lesen!

Pascal Keller

Pascal ist Gründer und Autor des twentysomething 1x1. Er hat zwar nicht alle Antworten auf das Leben als twentysomething, aber er versucht sie zu finden und damit anderen jungen Menschen zu helfen ihre Zwanziger zur besten Zeit ihres Lebens zu machen.

11053338_10203818436815974_6764905876657626158_n-jpg

  • Stefanie Schauer

    Hallo Pascal, deine Geschichte berührt mich sehr. Ich hab auch eine Ähnliche Erfahrung gemacht.

    Nach 5 Jahren Beziehung trennte sich mein damaliger Freund von mir. Männer hatte ich erstmal abgeschrieben und wollte nichts von Beziehung o.ä. hören. Ich War ziemlich am Boden und entschloss mich, Mir etwas gutes zu tun. Ich kündigte meinen Job, buchte einen Flug, kümmerte mich ums Visa und schon ging es los nach Australien.
    Nach ca 1 Monat lernte ich beim Feiern (mit Bekanntschaften, die ich dort gemacht hatte) jemanden Kennen. Nennen wir Ihn einfach “E”. Er fiel mir sofort ins Auge. Wir kamen auch kurz ins Gespräch. Ich War allerdings etwas zurückhaltend , da ich 1. Nicht mehr so geübt im Flirten War und 2. War ich etwas nervös.

    Der Abend endete am Australia Day mit einem Feuerwerk am See. Total schön.

    Die Gruppe mit meinen neuen Bekanntschaften verabredete sich an diesem Abend noch zum BBQ, welches 2 Tage später stattfinden sollte. Und wo ? Genau – bei “E”.

    Ich freute mich schon total auf das BbQ mit meinen neuen Freunden und War auch schon ziemlich gespannt und aufgeregt “E” wieder zu sehen.

    Das BbQ stand an und es War echt super. E und ich unterhielten uns mehrmals an dem Abend, aber so richtig irgendwie auch nicht. Nichts desto trotz War es ein super lustiger Abend.

    Als ich als eine von den Ersten heim wollte, weil ich müde war, brachte er mich zur Tür und Verabschiedete mich.

    Als ich “zuhause” im bett lag, ärgerte ich mich, dass ich nicht mehr auf ihn zugegangen bin und dachte nochmal über den Abend nach.

    Plötzlich piepst mein Handy. Eine Nachricht von E!!!!
    (Ich übersetze auf deutsch/ bzw Kürze das ganze etwas)
    “Hey, ich hab deine Nummer von Xy bekommen. Ich wollte nur kurz checken, ob du gut zuhausw angekommen bist und ob dir das BbQ gefallen hat”
    Ich hatte sofort ein grinsen im Gesicht und schrieb ihm zurück, dass ich es super fand und dass ich heil in meinem Bett angekommen bin.
    Er schrieb mir noch, dass er es schade fand, dass ich so früh gegen musste/wollte und ob ich denn Lust hätte, öfter mal was zu machen, da er mich total nett und süß findet.
    Ich hatte ein richtiges kribbeln im Bauch und so verabredeten wir uns ein paar Tage Später – wir kochten zusammen und tranken etwas zu viel Wein.
    Ich übernachtete deswegen bei ihm, aber mehr als kuscheln War nicht drin haha.

    So begann das alles. Wir trafen uns nahezu jeden Tag, gingen Skaten, kochten, schauten Serien & Filme.
    Ich lebte irgendwann sozusagen schon fast bei ihm.
    Er überraschte mich oft mit Kleinigkeiten – einem Selbst geschriebenen Song auf der Gitarre oder einem romantischen Bad etc.

    Irgendwie waren wir plötzlich in so einem Beziehungs-Ding drin.

    Und als wir so nebeneinander im Bett lagen, und er mich mit seinen großen Blauen Augen anschaute, rutschte ihm ein “i Love you” raus.

    Aus diesem ” i Love you” wurde dann ein sehr langes Gespräch. Wie es weiter gehen soll und dass ich früher oder später wieder zurück nach Deutschland muss.

    Uns beiden tat es sichtlich weh, dass wir irgendwie keine Zukunft hatten.

    Wir versuchten das allerdings zu verdrängen und verbrachten weiterhin viel Zeit miteinander.

    Dann War der Tag gekommen, an dem ich meinen Rückflug buchte (günstiges Angebot und passte genau, da mein Cousin heiratete und ich gerne dabei sein wollte bzw ich eingeladen War)

    An dem Abend fuhr ich zu ihm und mein Herz War schwer wie Blei.

    Ich berichtete ihm, dass ich DEN Rückflug gebucht hätte, und dass wir uns in ein paar Wochen verabschieden müssten.

    Er versuchte es sich nciht ankennen zu lassen, aber er War unendlich traurig. Genauso wie ich.
    In dieser Nacht, hielt er mich stärker, als je zuvor und wenn ich jetzt daran denke (es ist 3 Jahre her) wird mir immer noch ganz anders.

    Da wir wussten, dass es bald vorbei sein würde, versuchen wir etwas Abstand zu gewinnen – damit es uns leichter fällt. (Totaler Unsinn im Nachhinein – der Abschied War schwer – ob so oder so)

    Bald verbrachten wir die letzte Nacht zusammen, in der wir beide viele Tränen vergossen.
    Doch keiner traute sich wohl zu fragen, ob es nicht doch eine Zukunft gäbe.

    Dann stieg ich ein paar Tage darauf in den Flieger und habe ihn nie wieder gesehen.

    Wir halten zwar noch Kontakt, aber Freundschaftlich.

    Mittlerweile habe ich eine kleine Tochter und einen tollen Partner und ich bin total glücklich.

    Nichts desto trotz denke ich gerne an diese Zeit zurück. Und oftmals frage ich mich genau wie du “sollte; hätte, würde, wäre….”
    Aber wie du schon sagst: das alles bringt nichts.
    Wie wo was gekommen wäre, hätten wir es anders gemacht, werden wir nie erfahren was uns bleibt ist die Erinnerung.
    Und das ist wunderschön.

  • Lisa S

    Lieber Pascal,
    Deine Sicht der Dinge und eure Geschichte brachte mich endlich zum nachdenken.
    Meine Geschichte endet leider nicht halb so “schön” und im Guten, doch es war Liebe.

    Nach meinem Abitur wollte ich spontan in Urlaub gehen. Sehr weit weg. Eine Freundin und ich entschlossen uns für Neuseeland. Es war die Zeit meines Lebens und bis heute rauben mir alle meine Erinnerung den Atem.
    Nach unserer Reise durch das Land entschloss ich mich zu bleiben. Ich weiß nicht woher ich auf einmal den Mut nahm alleine in einem fremden Land, fast ohne Geld und keinen Job, bleiben zu wollen. Aber ich tat es. Und traf in irgendeiner betrunkenen Nacht den Menschen den ich so liebte wie noch keinen andren. Rex war Cook Islander. Ich wusste nicht einmal dass das mein Typ sein konnte, aber ich habe ihn gesehen und es sofort gewusst. This is the one. Zu der zeit wohl eher als Schwärmerei, weil – wie soll das überhaupt gehen. Doch wir liebten uns vier Jahre lang und taten alles füreinander. Dachte ich.
    Er kam mit nach Deutschland nach meiner Zeit in Neuseeland, wir versuchten alles damit er hier bleiben konnte. Im Endeffekt scheiterten wir am deutschen Einwanderungsgesetz. Heiraten kam nicht in Frage, wir waren doch so jung, wer wusste schon wo das hinführt..
    Also ging er. Nach Australien.
    Ein Jahr später folgte ich ihm, um zu sehen ob ich mir das vorstellen könnte. Er und ich in Australien.
    Alles ging immer um unsere Zukunft und wie alles funktionieren könnte, würde, sollte.
    Am ende des Tages bin ich wieder in Deutschland, wurde ihm wohl doch zu viel. Es war keine schöne zeit und gelogen wenn ich sagen würde, ich hätte mein Herz nicht definitiv brechen hören.
    Vielleicht ist es genau diese Angst eine liebe zu verlieren, die viel kaputt macht.
    Wir beide wollten nicht aufgeben, weil wir dachten wir wären bereit. Und damit einer von uns aufgibt, war es nötig den Anderen zu sehr verletzten.
    Meiner Meinung nach haben Kary und du alles richtig gemacht, auch wenn man sich immer die Frage stellt, was hätte passierten können.
    Ihr habt eure Erinnerungen, die euch niemand nehmen kann. Und wer weiß schon was die Zukunft bringt.
    Ich weiß hingegen, er hat mich verloren unsicher könnte niemals wieder alle diese Erinnerungen nur positiv sehen.
    Manchmal tut Liebe eben doch mehr weh, wenn du sie nicht gehen lässt.

  • Anika Rüb

    Hallo Pascal,

    deine Geschichte kann ich nur allzu gut nachvollziehen. Aber manchmal geht es auch gut aus daher möchte ich dir von meiner Geschichte erzählen.

    Ich flog vor 2 Jahren nach Australien. Mit einem Freund der in Deutschland geblieben ist. Ich weiß es war die richtige Entscheidung zu fliegen und mein Leben selbst zu bereichern.
    Jedoch war dieser Freund nicht die liebe meines Lebens. Das war mir klar. Trotzdem flossen Tränen. Ich war das erste mal alleine so weit weg von zu Hause. Vermissen ist eins der schlimmsten Gefühle wie ich finde.
    Jedenfalls kam ich in Australien an und mein Abenteuer begann.

    Wie es eben so ist habe ich in einem Hostel gewohnt. Habe viele neue Leute kennen gelernt. Doch Männer ließen mich kalt.
    Bis zu jenem Tag.. Ein gutaussejender Mann kam ins Hostel. Jedoch interessierte er mich wie auch alle anderen nicht. Irgendwann kamen wir in einer Gruppe ins Gespräch. Ich hatte mich jedoch ziemlich zurück gehalten. Bis das Thema “Hast du ne Freundin/ einen Freund” auf den Tisch kam. Und auch er sagte er habe in Deutschland eine Freundin. Somit wurde er also interessant. Wir kamen ins Gespräch.
    An diedem Abend haben wir ne menge Alkohol getrunken (Hostel leben eben :D) und wie es das Schicksal wollte kamen wir uns Näher. Irgendwann fragte er mich “willst du mich nicht langsam küssen?” Naja da schießen natürliche einige Fragen durch den Kopf. Jedoch waren diese schnell vergessen da ich zu diesem Zeitpunkt wusste, dass es mit dem Freund in Deutschland nicjt so weiter gehen könnte und ich ihn sowieso verlassen wollte. Somit kam eins zum anderen..
    Es ging die darauf folgenden Tage immer weiter. Ich machte mit meinem damaligen freund Schluss.
    Wir waren eine Gruppe von 8 Leuten die entschlossen hatten zusammen zu reisen. Also fingen wir an alles zu planen. Kurz vor dem Beginn haben alle abgesagt, da sie keine Lust hatten mit einem “Pärchen” zu reisen. Welches wir nicht waren. Wir waren eben Freunde mit gewissen Vorzügen.

    Jedenfalls hatte er kein Geld um komplett alleine zu reisen. Für mich war schnell klar ich schmeiße die Pläne über den Haufen und Reise mit ihm! Genau so ist es gekommen. Wir sind also 5 Monate lang zusammen durch Australien gereist und hatten die schönste Zeit unseres Lebens. Doch auch wir kamen irgendwann an die Frage “ist das bald alles vorbei?”
    Er musste weiter studieren und nach Hause.
    Wir gingen alle möglichen fragen in unseren Köpfen durch. Wir wollten einfach nicht das es einfach vorbei ist. Wir hatten uns ineinander verliebt, so wie wir es beide nie vorher waren.
    Doch irgendwann kam der Tag an dem wir Abschied nehmen mussten. Er flog nach Hause. Jedoch war klar wir sehen uns wieder auch wenn er am anderen Ende Deutschlands wohnt.
    Uns ging es ähnlich, wir haben uns Briefe geschrieben und über diese Zeilen geweint.
    Da eine Freundin kam um mit mir einen Monat zu reisen konnte ich nicht weg. Mir war aber schnell klar, ich kann nicjt lange ohne ihn. Ich vermisste ihn unheimlich.
    Also habe ich Hals über Kopf zwei Tage später meinen Rückflug gebucht.
    Habe es ihm erzählt. Und er hat sich sehr darüber gefreut und für ihn war klar, er wird am Flughafen sein wenn ich lande. Das war natürlich das schönste Geschenk für mich. Die 6 Wochen ohne ihn waren jedoch hart. Wir redeten immer darüber wie es weiter gehen soll hatten aber auch keine richtige Ahnung.
    Irgendwann beschlossen wir, dass er vielleicht mal 2 Wochen nach meiner Ankunft zu Besuch kommen würde.
    Wie es sich dann ergab kam es anders.
    Einen Tag vor meinem heimflug ist er mit dem Zug los zu meinen Eltern ohne Sie jemals gesehen zu haben. Meine Eltern wussten natürlich Bescheid. Und auch dass er wahrscheinlich nicjt nur 2 Wochen bleiben würde und wir uns eine gemeinsame Wohnung suchen wollten.
    Es klingt kitschig aber genau so war es. Er kam bei uns mit einem 40 kg Koffer an und wir haben 2 oder 3 Monate bei meinen Eltern gewohnt. Danach wurde unser kleiner Traum wahr. Wir sind in unsere erste gemeinsame Wohnung gezogen.
    Mittlerweile haben wir sind wir noch einmal umgezogen haben unsere Traumwohnung und beide Jobs! WOW! Wer hätte das am Anfang gedacht? Wir selbst auf jeden Fall nicht. Und eins steht fest. Die Zukunft werden wir nur gemeinsam meistern. Nicht mehr ohne einander.

    So das war unsere kleine Liebesgeschichte :)!