Angst vor dem Unbekannten _Pascal Keller

Ich bin nervös und spüre wie glühende Hitze durch meinen Körper strömt.

Ich atme flach und schaue in die Menge. Knapp 100 Menschen sitzen da und warten auf das, was ich zu sagen habe.

Ich halte das Mikro fest in der Hand und mache ein paar kleine Schritte nach vorne. Meine Hände werden immer feuchter und ich verspüre dieses eigenartig flaue Gefühl in der Magengegend. Aber es nützt nichts. Jetzt ist der Moment gekommen, auf  den ich so lange hingearbeitet habe.

Robert erwähnt meinen Namen und ich….ich atme durch und spreche los.

Es ist der 09.01.2016 in Hannover.

Gemeinsam mit meinem Kollegen Robert Kraxner stehe ich in der “Arena” und spreche auf  der Veranstaltung “Arbeit i(s)st Leben” über meine Erfahrungen in den letzten drei Jahren. Mein Herz pocht wie wild, als ich meine stundenlang eingeübten Zeilen ins Mikro spreche…

Pascal Keller _ Arbeit isst Leben

Am Ende des Vortrages ein überwältigender Applaus. Menschen jubeln uns zu. Ein Moment zum Einrahmen. Meterhohe Gänsehaut und ein Grinsen im Gesicht, das über beide Backen geht. Unglaublich! Ein Traum wird wahr…

In den Momenten nach dem Vortrag wird mir mal wieder eines klar:

Manche Dinge, die wir machen oder erreichen wollen liegen außerhalb unserer Komfortzone. Sie sind unbequem und brauchen unseren ganzen Mut. Um sie zu erreichen müssen wir über unseren eigenen Schatten springen und unsere Ängste konfrontieren. Doch wenn wir das schaffen dann, ja dann passiert etwas Magisches mit uns.

 

Was ist eine Komfortzone?

 

Gibt es eine Sache, die Du schon immer mal tun wolltest, die Du Dich aber bisher nie getraut hast?

Vielleicht einen Bungee-Sprung. Vielleicht die süße Studentin aus dem 4. Semester ansprechen oder vielleicht in ein fremdes Land reisen?

Dann liegt das wahrscheinlich daran, dass du Angst hast deine eigene Komfortzone zu verlassen.

Unsere Komfortzone ist unsere Wohlfühlzone. Es ist die Zone, in der wir uns bestens auskennen. Alles was wir in dieser Zone machen, haben wir schon x-Mal vorher gemacht.

Bekannte Abläufe und Dinge, die wir ohne große Probleme meistern können.

Unsere Komfortzone gibt uns ein Gefühl von Vertrautheit , Sicherheit und Gewissheit.

Wir Menschen sind evolutionär damit aufgewachsen in unserer Komfortzone zu bleiben, um überleben zu können. In der Steinzeit waren wir Menschen nur in der Lage in unserer Herde zu überleben. Alleine hatte man gegen die wilden Tiere und die heißen Sommer und kalten Winter keine Chance. Nur in der Gruppe war man sicher und deshalb gab uns Mutter Natur einen Instinkt, der uns sagt:

Verlasse niemals deine Herde (Komfortzone) , denn sonst bringst du dich in Gefahr!

 

Dieser Instinkt ist in unserem limbischen System verankert und hat die Aufgabe uns vor dem Überleben zu schützen.

Obwohl wir heute nicht mehr in der Steinzeit leben, bestimmt dieser Instinkt noch immer unser Verhalten. Jedes Mal, wenn wir unsere Komfortzone verlassen wollen – das heißt einen Schritt ins Unbekannte machen wollen – wird das limbische System in unserem Gehirn alamiert.

Die Sirenen gehen an und wollen mit aller Macht verhindern, dass wir uns in Gefahr bringen. Unser Gehirn möchte im Energiesparmodus bleiben. Kein erhöhter Aufwand, kein unnötiger Energieverbrauch, keine Gefahr. Schnell schüttet es körpereigene Opiate, also Wohlfühldrogen, aus und versucht uns so umzustimmen – und schafft das auch oft genug.

Ich erwische mich selbst oft dabei, wie mein Gehirn mich auf diese Weise austrickst. Ich habe mir zum Beispiel schon seit zwei Monaten vorgenommen endlich ein kleines Team aufzubauen, um das twentysomething 1×1-Projekt voranzubringen. Doch dazu müsste ich mir einen genauen Plan machen und Leute anrufen, um ihnen von dem Projekt zu erzählen.

Glaubst du ich habe schon eine einzige Person angerufen?

Natürlich nicht.

Ich finde immer wieder Ausreden, warum heute nicht der beste Tag ist, um den Anruf zu machen. Morgen oder nächste Woche reichen ja auch noch…

 

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Die Angst vor dem Unbekannten

 

Heute möchte ich dir ohne Umwege ein paar ehrliche Fragen stellen:

  • Bist du aktuell so richtig zufrieden mit deiner Lebenssituation?
  • Lebst du jeden Tag so, wie du ihn gerne leben würdest?
  • Machst du einen Job, den du gerne machst oder arbeitest du nur, weil du Angst hast zu kündigen?
  • Bist du in einer Partnerschaft mit dem Menschen, der wirklich zu dir passt oder seid ihr nur zusammen, weil du Angst hast alleine zu sein?
  • Gehst du selbstbewusst durch dein eigenes Leben oder machst du das was andere von dir erwarten?

Diese Fragen sind provokant, ich weiß. Aber ich stelle sie dir bewusst und mit voller Absicht.

Denn ich weiß aus eigener Erfahrung: je emotionaler wir auf sie reagieren, desto mehr sträuben wir uns davor, unsere eigene Komfortzone zu verlassen. Desto mehr möchten wir den Status Quo beibehalten.

Aber nicht, weil er uns so gut gefällt, sondern weil unser Unterbewusstsein uns mit aller Macht davon abhalten will, ins Unbekannte zu starten.

Obwohl wir wissen, dass es notwendig ist dem Status quo zu verändern, um unsere Ziele zu erreichen. Obwohl wir wissen, dass wir am Ende glücklicher wären.

Doch irgendetwas hält uns zurück.

Aus einer Vielzahl von Gesprächen, die ich in den letzten drei Jahren geführt habe, weiß ich heute, was es ist:

Die Angst vor dem Unbekannten.
Die Angst vor dem Unbekannten, ist einer unserer größten Stoppschilder in unseren Zwanzigern.

Denn das, was wir bereits haben, gibt uns ein Gefühl von Vertrautheit und Sicherheit. Selbst dann, wenn es uns unzufrieden oder gar unglücklich macht. Das Bekannte scheint besser zu sein als das Unbekannte, weil wir es eben kennen und weil wir wissen, was wir erwarten können.

Verändern wir etwas, dann begeben wir uns auf ein unbekanntes Spielfeld.

Das widerspricht unserem Instinkt nach Routine, Verlässlichkeit und Sicherheit.

Es entsteht Angst in uns, mit dem Neuen nicht umgehen zu können. Angst hilflos und überfordert zu sein. Und wenn immer Angst in uns entsteht, versuchen wir uns an etwas zu binden. Diese Gebundenheit finden wir oft im Altbekannten:

In unserer aktuellen Beziehung, unserem aktuellen Job oder unserem aktuellen Studium. Dort kennen wir uns aus, dort wissen wir, was wir haben.

Die Strategie, lieber beim Bewährten zu bleiben, ist tief in uns verwurzelt. Das Festhalten an Bekanntem bietet unserem Gehirn mehr Überlebensvorteil als das Eingehen von Risiken.

Zudem kann die Angst vor dem Unbekannten auch als Schutz vor Enttäuschung oder vor Verletzung verstanden werden.

Sowohl die Angst vor dem Unbekannten, als auch die Angst vor möglichen Verletzungen, haben ohne Frage ihre Berechtigung. Denn wer weiß denn schon sicher, ob es auf dem anderen Spielfeld wirklich besser sein wird?

“Es könnte ja auch schlimmer kommen, wenn ich Schluss mache. Vielleicht finde ich nie wieder so eine Frau wie sie“, sagte neulich passend dazu einer meiner Freunde als wir über seine aktuelle Beziehung sprachen, die ihn mehr als nur unglücklich macht.

An dieser Aussage wurde mir (mal wieder) klar, wie wenig die meisten von uns bereit sind den Status Quo zu verlassen, auch wenn dieser uns augenscheinlich nicht glücklich macht.

Die möglichen Chancen nehmen wir dabei gar nicht wahr.

Und wenn wir die Chancen doch sehen, haben wir Angst davor, dass es vielleicht doch ganz anders kommen könnte. Dann hätten wir im schlimmsten Fall ja nicht mal mehr die Sehnsucht.

Vor einer solchen Enttäuschung wollen wir uns definitiv schützen. Also geben wir unserem Wunsch nach Neuem nach und bleiben in unserer Komfortzone.

 

4 Gründe, warum du deine Angst überwinden solltest

 

1. Deine Zwanziger werden spaßiger

Ich kann mich noch gut an meinen ersten Kuss erinnern. Ich war 13 Jahre und so nervös, dass ich kein Wort sagen konnte. Vor mir stand Saskia und wartete darauf, dass nun meine Lippe ihre Lippen berühren würden. Meine Beine zitterten und mein Herz pochte, als müsste ich gleich von einem Hochhaus springen. Doch ich machte den Schritt nach vorne und küsste sie.

Heute frage ich mich:

Was wäre wohl gewesen hätte ich mich vor über 10 Jahren nicht getraut Saskia zu küssen? Hätte ich jemals eine Frau geküsst?

Was wären, wenn ich nie mein Zuhause verlassen hätte, um nach Mexiko zu reisen? Was wäre gewesen, wenn ich nie eine Frau angesprochen hätte, aus Angst verletzt zu werden? Was wäre wenn ich nie einen Blog gestartet hätte, um anderen twentysomethings zu helfen?

Was passiert, wenn du deine Komfortzone verlässtMein Leben wäre halb so interessant und spaßig gewesen. 

Ich glaube, die schönste Dinge im Leben, passieren uns nicht, wenn wir in unserer Komfortzone ruhig warten. Die schönsten Dinge passieren, wenn wir den Mut aufbringen unsere Ängste vor Ablehnung, Versagen oder Schmerz zu überkommen und über die Grenzen unserer Komfortzone hinauszugehen.

Dort passiert die Magie, die unsere Zwanziger so unvergesslich macht.

 

 

2. Du wächst als Person

life-begins-at-the-end-of-your-comfortzone-e1394011593767 (1)Wir Menschen wollen von Natur aus wachsen und lernen. Gerade für unsere Generation ist persönliche Weiterentwicklung im Job, aber auch privat, ein wesentlicher Faktor für Zufriedenheit und Glück.

Doch wachsen wir in unserer Komfortzone? Nein.

Wir wachsen an Widerstand.

Es ist wie beim Fitness:

In der Hängematte bekommen wir keine Muskeln, sondern nur wenn wir im Fitnessstudio Gewichte auflegen, spüren unsere Muskelfasern, dass sie wachsen müssen. Und dann setzt unser Körper einen Prozess in Bewegung, der uns am Ende tatsächlich ermöglicht zu wachsen.

Genauso ist es mit unserer Persönlichkeit: Wir müssen immer wieder unsere Grenzen verlassen und Widerstände überkommen, um uns persönlich weiterzuentwickeln.

Ashley Ormon bringt es auf den Punkt.

“We cannot expect to grow if we are too afraid or unwilling to change and face challenges. When we exit our everyday, mundane lifestyles to do something different we can experience growth, undiscovered strength, and new abilities within ourselves.”

 

3. Du erreichst mehr

Kennst du das auch?

Du weißt, du musst in einer Woche eine wichtige Klausur schreiben und müsstest eigentlich anfangen zu lernen. Stattdessen aber gehst du lieber feiern und schläfst lange. Du denkst dir “Ach, ich kann ja auch morgen anfangen.” Letztlich fängst du zwei Tage vor der Klausur an. 350 Seiten Skript liegen vor dir. Eigentlich unmöglich zu lernen. Doch irgendwie schaffst du es, in nur 2 Tagen alle 350 Seiten in deinen Kopf zu kriegen und die Klausur gut zu bestehen.

Wurdest du über Nacht zum Superbrain? In gewisser Weise schon.

Im Jahr 1908 haben die Psychologen Robert M. Yerkes und John D. Dodson in einer Studie gezeigt, dass wir nur außerhalb unserer Komfortzone unser wirkliches Potential abrufen. In einem Zustand der “Optimalen Angst”, wie Yerkes und Dodson den Zustand nennen, in dem Druck und Stress etwas höher sind als normal, sind wir zu außergewöhnlichen Dingen fähig.

Ich habe diesen Zustand der “Optimalen Angst” während meinem Vortrag in Hannover gespürt. Ich hatte Angst, ohne Zweifel. Aber die Angst zog mich nicht runter, sondern trieb mich an mehr als 100% zu geben. Ich war euphorisiert. Und so war es nicht verwunderlich, dass ich genau an diesem Tag, die mit Abstand beste Performance von allen Durchläufen hinlegte.

 

4. Du bereust weniger am Ende deiner Zwanziger

MexikoAls ich mich dazu entschied, nach Mexiko zu gehen, habe ich von vielen Leuten gehört: “Mach das nicht, Mexiko ist sooo gefährlich!”

Mexiko war ein riesiger Schritt außerhalb meiner Komfortzone.  Hätte ich auf alle Menschen gehört, die mir von dem Abenteuer im Vorfeld abgeraten haben, hätte ich die wohl die beste Zeit meines Lebens verpasst.

Wenn du also Angst hast und ständig denkst “Was wäre wenn…”, “Aber wenn…” dann gebe ich dir einen Tipp:

Spring ins kalte Wasser. Mit vollem Anlauf. Du wirst dich am Anfang schütteln und das Gefühl haben unterzugehen. Du wirst vielleicht strampeln und es wird nicht leicht sein, dich über Wasser zu halten.

Aber du wirst es schaffen und dir am Ende deiner Zwanziger nicht vorwerfen, dass du es nie versucht hast.

Wie sagte Lewis Carroll so passend:

“In the end, we only regret the chances we didn’t take, the relationships we were afraid to have and the decisions we waited too long to take.”

 

Bist du bereit deine Komfortzone zu verlassen?

Wenn dich deine Angst vor dem Unbekannten zurückhält, das zu tun was du wirklich tun möchtest, dann ist heute der Tag die Entscheidung zu treffen, deine Komfortzone zu verlassen.

Damit meine ich nicht, dass du gleich morgen dein Ticket nach Australien buchen oder wildfremde Frauen auf der Straße ansprechen sollst. Es geht viel mehr darum Schritt für Schritt deine Komfortzone zu erweitern und neue Dinge auszuprobieren. Es reicht, wenn du jeden Tag einen kleinen Schritt machst und so regelmäßig deine Angst vor dem Unbekannten überkommst.

Du kannst beispielsweise mal einen unbekannten Weg zur Arbeit fahren oder einer Frau ein Lächeln schenken. Hast du damit gut Erfahrungen gemacht, dann gehe einen Schritt weiter und mache einer Frau ein Kompliment oder geh auf einen Tagestrip ganz alleine.

Sei gewillt schrittweise deine Grenzen auszutesten und deine Zwanziger damit unvergesslich zu machen.

Ich unterstütze dich dabei!

 

 

Wann hast du zuletzt deine Komfortzone verlassen und welche Erfahrungen hast du dabei gemacht?

Schreibe einen Kommentar und lasse es mich wissen.

PS: Falls dir der Post geholfen hat, dann teile ihn doch mit deinen Freunden und allen twentysomethings, die ihre Zwanziger richtig leben wollen

 

PSS: Inspiriert wurde ich zu diesem Beitrag von Bens Artikel: 7 Methoden, die dir helfen, deine Komfortzone zu verlassen.

Pascal Keller

Pascal ist Gründer und Autor des twentysomething 1x1. Er hat zwar nicht alle Antworten auf das Leben als twentysomething, aber er versucht sie zu finden und damit anderen jungen Menschen zu helfen ihre Zwanziger zur besten Zeit ihres Lebens zu machen.

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