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11:30. Noch eine halbe Stunde, dann ist die Frist abgelaufen. Dann gibt es kein zurück mehr. Dann habe ich mich entschieden.

Ich starre auf den Bildschirm. Ich könnte mich noch in meiner alten Stadt einschreiben. Ich könnte noch alles rückgängig machen. Ich könnte durch eine andere Tür gehen. Ich könnte…

Mein Atem wird schneller, ich spüre, wie mein Herz beginnt zu rasen. Panik.

11:45. Was ist, wenn ich die falsche Entscheidung getroffen habe? 15 Minuten habe ich noch, um umzukehren. Die Tür steht noch offen. Ich muss nur hindurchgehen.  Aber wäre das richtig? In mir tobt ein Feuer, äußerlich bin ich zu Eis erstarrt.

11:55  Ich kann mich nicht rühren. LISA, bist du dir sicher, dass das die richtige Entscheidung ist? Das ist deine letzte Chance! Du kannst es noch ändern!

12:00 Für einen Moment fühlt es sich so an, als sei die Welt stehen geblieben. Ruhe erfüllt den Raum. Sie durchströmt mich. Ich atme erleichtert auf.

Die Tür ist zugegangen.

12:05 Ich bin verwirrt. Ein letzter kleiner Anflug von Panik bricht über mich hinweg. Was, wenn es die falsche Entscheidung war? Gleichzeitig beschleicht mich das Gefühl, ich hätte etwas verloren. Dabei habe ich mich doch nur entschieden. Wo ist das Problem?

 

Entscheidungen in unseren Zwanzigern

Entscheidungen – wie viele davon treffen wir in unseren Zwanzigern? Manchmal scheint das Leben als Twentysomething wie ein endloses Herumirren in einem Wald voller Möglichkeiten und endloser Entscheidungen zu sein.

Soll ich BWL studieren, eine Ausbildung machen oder doch lieber Freiwilligenhelfer auf Tahiti werden?

Soll ich nach Frankfurt ziehen, wo ich mehr Geld verdiene aber keinen kenne oder soll ich in Augsburg bleiben, wo ich zwar deutlich weniger verdiene aber mein soziales Umfeld habe?

Soll ich heute Abend Star Wars anschauen oder doch lieber den neuen Tarantino? Im Kino oder auf Netflix?

Soll ich auf mein Date heute Abend das schwarze oder das blaue Kleid anziehen? Mit Strumpfhose oder ohne?

Unsere Generation kann heute so viel entscheiden wie keine Generation vor uns. Das ist Segen und Fluch zugleich. Mehr als je zuvor können wir uns verändern, uns neu erfinden, entscheiden, wer und wie wir sein wollen. Doch je größer die Zahl unserer Möglichkeiten wird, desto größer wird auch unsere Angst, nicht die richtige Entscheidung zu treffen.

Verwirrt rennen wir durch die Gegend, fragen Eltern und Freunde um Rat, suchen die perfekte Möglichkeit für uns. Es fühlt sich so an, als könnten wir uns nicht entscheiden. Allerdings ist das oft nur eine selbsterschaffene Täuschung. Eigentlich zeigt uns unser Bauchgefühl längst den richtigen Weg…

 

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Das Problem:

Wir wollen uns gar nicht entscheiden.

 Es ist ungefähr 2 Jahre her, dass mir in der Schule mein Abiturzeugnis übergeben wurde. Der Schulleiter drückte es mir in die Hand, nickte und lächelte freundlich.

,,Mit so einem Zeugnis ist alles möglich!’’, sagte meine Großmutter, als ich mit dem Zeugnis nachhause kam. Ich war stolz und fühlte mich frei. Die ganze Fülle an Möglichkeiten lag nun vor mir. Ich könnte Lehrer werden, Psychologe oder Finanzmanager, sogar eine Medizinstudium war möglich.  Das Gefühl, so eine große Auswahl zu haben,  war gleichzeitig ein Gefühl aus Macht und Freiheit zusammen. Ich konnte tun, was immer ich auch wollte. Alle Türen standen mir offen.

 

Mein Problem:

Ich hatte überhaupt keine Ahnung, was ich wollte.

Als endlich die Zeit gekommen war, bewarb ich mich auf ungefähr 10 verschiedene Studiengänge in 10 verschiedenen Orten, vielleicht sogar mehr. Ich bemerkte, dass jetzt wo mir alle Türen offen standen, es mir zunehmend schwerer fiel, die Türen zu schließen oder abzulehnen. Der Ausblick auf all die Wege und Möglichkeiten gefiel mir einfach zu gut und gleichzeitig hatte ich eine riesige Angst vor der falschen Entscheidung.

Als ich nur Zusagen erhielt, wurde meine Unsicherheit größer. Ich mochte nie zusagen, aber es fiel mir auch schwer, eine Frist einfach ablaufen zu lassen.

Am liebsten hätte ich einfach ewig mit dieser Auswahl weitergelebt.

 

Das Leben in der “Alles-ist-möglich“-Welt

Wir sind in einer Zeit gelandet, in der wir jederzeit und überall zwischen 100 Optionen wählen und später jederzeit den Reset-Knopf drücken können. Sei es auf  Tinder, bei Spotify, Netflix, bei den Reisezielen oder den Studiengängen, wir können uns immer das Beste herauspicken. Wir müssen uns nie festlegen. Heute dies, morgen jenes. Alles ist möglich.

Wir entscheiden uns gerne, aber nur, wenn die Entscheidung keine großen Folgen hat.

Mit Tintenkiller und Radiergummi wollen wir durchs leben gehen, immer bereit dazu, neu anzufangen, wenn wir unzufrieden sind oder auf ein Hindernis stoßen.

Wir lieben es, bei Amazon die verschiedenen Bewertungen zu lesen und zwischen den Optionen hin und her zuschalten. Wir lieben den Moment, in dem wir im Restaurant die Speisekarte aufschlagen und uns all die Möglichkeiten ins Auge springen. Eine Auswahl ist immer auch ein Reiz für uns, obwohl sie uns das Leben ziemlich schwer machen kann. Nämlich dann, wenn keine der Optionen hervorsticht oder wenn es schwerfällt, all die Alternativen loszulassen.

Aber warum wollen wir uns nicht festlegen? Warum wollen wir uns nicht entscheiden?

 

3 Gründe, warum es dir schwerfällt dich zu entscheiden (und was du dagegen tun kannst)

Aus meiner Erfahrung mit schweren Entscheidungen weiß ich, dass es 3 Gründe gibt, die es uns besonders schwer machen, uns festzulegen:

 

1. Eine Entscheidung ist immer mit einem Verlust verbunden

 

» There is no decision that we can make that doesn’t come with some sort of balance or sacrifice.« – Simon Sinek

Entscheiden wir uns für eine Sache, entscheiden wir uns gleichzeitig gegen all die anderen Optionen. Das gilt nicht bei Serien oder Songs. Die kann ich auch hintereinander anhören. Es gilt für große Entscheidungen. Wenn ich mich entscheide, dass ich Lehrer werde und ein entsprechendes Studium beginne, ist es fast unmöglich für mich, später als Arzt oder Polizist zu arbeiten. Geht man durch eine Tür,  schließen sich die anderen Türen.

Was du tun kannst: 

Denke nicht zu viel darüber nach, was du alles machen könntest, sondern finde gezielt heraus, was dir am meisten Spaß macht. Wahrscheinlich weißt du es schon. Das Loslassen von Alternativen ist kein Verlust. Jede Entscheidung bringt dir Erfahrungen und Erkenntnisse, die vorher noch nicht hattest. Und deshalb bringen dich selbst fehlerhafte Entscheidungen weiter, als abzuwarten. Nämlich bis zur nächsten Entscheidung.

 

2. Wir müssen Verantwortung für uns selbst übernehmen

In unserer Schulzeit wurden uns die meisten Entscheidungen abgenommen. Und die, die wir selbst treffen mussten, hatten meist keine schwerwiegenden Konsequenzen.

In unseren Zwanzigern nimmt uns niemand mehr die Entscheidungen ab. Der richtige Weg liegt nicht mehr klar und deutlich vor uns, wir müssen ihn erst finden und uns bewusst dafür entscheiden. Und mit allem, was nach dieser Entscheidung passiert, müssen wir selbst leben. Wir haben die Verantwortung dafür. Dazu gehört es auch, sich hin und wieder einzugestehen, dass man die falsche Entscheidung getroffen und einen Fehler gemacht hat.

Was du tun kannst:

Sei mutig und vertraue dir selbst, dass du die richtige Entscheidung treffen wirst. Es gibt keine falsche oder richtige Entscheidungen. Es nur eine Entscheidung. Du triffst die einzige Entscheidung, die du in der jeweiligen Situation nach bestem Gewissen, bei genauem Abwägen und Nachdenken unter Einbeziehung aller Faktoren treffen kannst. Und das ist dann zu diesem Zeitpunkt eben einfach deine Entscheidung. Ein paar Tage vorher oder nachher würdest du vielleicht anders entscheiden. Und vergiss bitte eines nicht: Keine Entscheidung ist wirklich in Stein gemeißelt. Wenn du merkst, es war der falsche Weg – entscheide dich neu!

 

3. Wir haben zu viele Interessen

Viele von uns haben nicht die eine Leidenschaft, der sie folgen können. Vielleicht interessierst du dich für Politik, hilfst gerne Menschen, kannst schon Programmieren und spielst gerne Theater. Nun fragst du dich: Wie kann ich diese Interessen miteinander verbinden? Manchmal können  2-3 Themengebiete verknüpft werden, aber meistens muss du dich für eines entscheiden.  Das ist dann verständnisvollerweise sehr schwierig und es fühlt sich an, als müsstest du deine anderen Interessen aufgeben.

Was du tun kannst:

Bevor du dich entscheidest, informiere dich über die einzelnen Berufe, die deinen Interessen entsprechen. Stelle dir zum Beispiel vor, du wärst bereits Politiker, Sozialarbeiter oder Programmierer. Überlege dir, welche Werte dir in deinem Leben am wichtigsten sind und wie dein zukünftiger Arbeitsplatz aussehen soll. Möchtest du gerne im Büro sitzen? Möchtest du viel mit anderen Menschen zu tun haben? Willst du gerne anderen helfen? Am Ende schaue, welcher Beruf/Studiengang am besten in das von dir entworfene Konzept passt.

 

Am Ende ist jede Entscheidung ein Gewinn

Letztendlich ist der Weg zu einer Entscheidung immer schwierig. Denn woher weißt du, ob eine Entscheidung tatsächlich die “richtige“ für dich ist? Wann kannst du dir sicher sein, ob deine Entscheidung zu dem führt, was du dir erhofft hast? Wann weißt du, ob sich deine Zweifel bestätigen oder nicht? Fragen, auf die du erst eine Antwort bekommst, wenn du deine Entscheidung bereits getroffen und gelebt hast.

Du kannst nie genau wissen, was deine Entscheidung mit sich bringt. Allerdings ist es keine Lösung, sich deshalb gar nicht zu entscheiden. Wenn du ewig grübelst und versuchst, dir alle Optionen offenzuhalten, um dich bloß nicht “falsch“ zu entscheiden, dann betrügst du dich am Ende selbst. Du scheust dich davor Verantwortung für dein Leben zu übernehmen, und tust so, als gebe es dafür gute Gründe. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Wenn du eine Entscheidung treffen musst und sie nicht triffst, dann ist das auch eine Entscheidung. Nämlich die Entscheidung, dass andere für dich entscheiden werden. Und du zum Spielball dieser unfreiwilligen Entscheidung wirst.

Am Ende gibt es keine falsche oder richtige Entscheidung. Es gibt nur neue Erfahrungen und Erkenntnisse. Jede Entscheidung bringt dir Erfahrungen und Erkenntnisse, die vorher noch nicht hattest. Und deshalb bringen dich selbst fehlerhafte Entscheidungen weiter, als abzuwarten. Nämlich bis zur nächsten Entscheidung.

Darf ich? Kann ich? Muss ich? Will ich? Soll ich? Egal, entscheide dich. Du kannst nur gewinnen.

 

Musstest du in letzter Zeit schwierige Entscheidungen treffen?

Trau dich, und schreibe einen Kommentar über deine Erfahrungen.

PS: Falls dir der Post gefallen hat, dann teile ihn doch mit deinen Freunden und allen Twentysomethings, die ihre Zwanziger richtig leben wollen.

 

Das solltest du als nächstes lesen!

 

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Lisa Carstensen

Lisa ist offizielle Co-Autorin des twentysomething 1×1.
Sie schreibt gerne über ihre Lieblingsthemen Reisen, Studium und Beziehungen. Ist sie nicht gerade mit ihrem Psychologiestudium beschäftigt, findet man Lisa wahrscheinlich an der Nordsee oder am anderen Ende der Welt.