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»Gratitude unlocks the fullness of life. It turns what we have into enough, and more. It turns denial into acceptance, chaos to order, confusion to clarity. It can turn a meal into a feast, a house into a home, a stranger into a friend. « (Melody Beattie)

Letzte Woche ist etwas passiert, das meine Denkweise für immer verändert hat.

Wie so oft seit meiner Ankunft in Brasilien ging ich abends noch eine Runde joggen, weil es einfach kühler ist zu den späten Abendstunden. Als ich meine Runden in dem kleinen Park drehte, sah ich eine junge Frau auf einer kleinen Bank am Rand sitzen. Sie weinte…

 Ich rang mit mir selbst, ob ich sie ansprechen sollte oder nicht.

War das nicht zu persönlich? Wollte sie lieber alleine sein? Kann ich ihr überhaupt helfen?

 Bei meiner nächsten Runde blieb ich bei ihr stehen und sprach sie an:

„Hey, ich habe gesehen, dass du weinst. Ist alles okay bei dir? Kann ich dir irgendwie helfen?“

Mit verweint-roten Augen schaute sie mich an und antwortete mit leiser Stimme:

„Ich hatte einen schlechten Tag…“ Ich setzte mich neben sie, drückte sie und fragte sie nach ihrem Tag.

Sie erzählte mir von ihrem Tag und ihrer Geschichte. Sie hieß Mirelie und war 22 Jahre alt. Sie lebt mit ihrer Mutter und ihren zwei jüngeren Geschwistern zusammen in einem kleinen Haus, das ihr Großvater einst selbst gebaut hat. Ihr Vater starb bei einem Überfall als sie 16 Jahre alt war.

Seitdem arbeitete sie tagsüber als Hauhaltshilfe bei einer Familie und abends als eine Bedienung in einem kleinen Restaurant, um ihre Familie finanziell unterstützen zu können. 6 Tage die Woche, 50 Stunden. Sie verdient in beiden Jobs zusammen 950 Reais pro Monat. Das sind umgerechnet 240 Euro.

Sie erzählte mir auch von ihrem Traum eines Tages ihren Abschluss nachzuholen und Architektin zu werden. Aktuell kann sie nicht zur Schule gehen, weil sonst ihre Geschwister nicht zur Schule gehen könnten. Sie ezählte mir, wie gerne sie mal nach Deutschland kommen würde, um das Märchen-Schloss zu sehen. Sie meinte das Schloss Neuschwanstein.

Als Mirelie erzählte und ich in ihre braunen Augen schaute, ging mir eine Frage durch den Kopf:

»Was wäre gewesen, wenn ich in einem anderen Land als Deutschland geboren wäre?«

 

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Gedanken über Gedanken strömten in meinen Kopf.

 

Was mich meine Reise in Brasilien gelehrt hat

Ich habe ein schönes Leben. Ja, das habe ich. Jeden Tag. Und im Grunde habe ich dafür nichts geleistet. Ich hatte schlichtweg Glück in Deutschland geboren zu sein. Schon allein das macht 90% meines Erfolgs aus und eröffnet mir Möglichkeiten, die den meisten anderen Menschen auf der Welt immer verborgen bleiben werden.

Ich werde als Deutscher überall auf der ganzen Welt respektiert und für Dinge bewundert, zu denen ich nichts beigetragen habe: Unsere Automarken, unsere Fußballer, unsere Arbeitsdisziplin und unsere Sprache.

Ich hatte die Möglichkeit, kostenlos zur Schule zu gehen und eine exzellente Schulausbildung zu bekommen.

Ich hatte die Möglichkeit, in Mexiko und Brasilien zu leben und so meinen Lebenshorizont für immer zu verändern.

Ich hatte die Möglichkeit, mir Gedanken über mein Leben zu machen abseits von Hunger, Not und Krieg.

Ich kann sauberes, frisches Trinkwasser aus der Leitung trinken – so viel ich will.

Ich kann mir meinen Job praktisch aussuchen und verdiene mit hoher Wahrscheinlichkeit so viel Geld, dass ich mir regelmäßige Urlaube leisten kann.

Ich bin in eine Generation geboren, die aufgrund der Arbeit und des Einsatzes unserer Eltern und Großeltern in einer funktionierenden Demokratie mit etablierten Grundrechten leben kann.

Ich war von Tag 1 meines Lebens frei von Überlebenssorgen und Armut.

Im Falle eines medizinischen Notfalls werde ich im Krankenhaus sofort versorgt, selbst wenn meine Personalien nicht geklärt sind und ich keinen Cent in der Tasche habe. Niemand wird mich auf der Straße verbluten lassen und mit niemandem muss ich im Krankenhaus mein Bett teilen.

Ich muss nicht wegen Religion, Sexualität oder Geschlecht um mein Leben bangen.

Ich habe in meinem Leben noch nie mit Rassismus zu kämpfen gehabt, sondern meine Hautfarbe wurde immer akzeptiert und als schön empfunden.

Ich kann auf der Straße gegen die Regierung demonstrieren, wenn ich mit ihrer Politik nicht einverstanden bin und brauche keine Todesangst zu haben, wenn ich offen meine Meinung sage.

Naturkatastrophen, Umweltverschmutzung, Attentate oder Sexismus sind in Deutschland vergleichsweise selten.

Krieg, Diktatur und Flucht kenne ich nur aus Geschichtsbüchern und den Nachrichten.

All das ist in den meisten anderen Ländern der Welt nicht selbstverständlich. Andere Menschen kämpfen dafür auf den Straßen und bezahlen mit ihrem Leben, um das zu bekommen, was wir in Deutschland haben.

Andere Menschen leben in selbstgebauten Blechhütten, arbeiten seit sie 14 Jahre alt sind und sterben mit 28 Jahren, weil sie kein Geld aufbringen können, um einen Arzt zu bezahlen.

Andere Menschen lassen alles zurück, was sie je kannten und nehmen eine monatelange, vielleicht tödliche Reise auf sich, um in unser Land zu kommen und endlich in Sicherheit leben zu können.

Doch das alles sind keine anderen Menschen – es sind meine Mitmenschen, die nur das “Pech“ hatten im falschen Land zur falschen Zeit geboren zu sein.

Einer dieser anderen Menschen könnte ich sein.

Ich, Pascal Keller….

Als mir das bewusst wurde, liefen mir Tränen über die Wangen und ich drückte Mirelie ganz fest.

Hemmungslos und echt.

Nicht aus Mitleid, Nein. Sondern aus Dankbarkeit.

Aus Dankbarkeit für all den Reichtum und Wohlstand, den ich in meinem Leben habe. Aus Dankbarkeit gegenüber meinem Land, meinen Großeltern. meinen Eltern und meinen Freunden. Aus Dankbarkeit für all die kleinen und großen Dinge, die ich in meinem Leben habe und nie so wirklich wertschätzte, obwohl sie alles sind, was ich brauche.

 

Ein Perspektivenwechsel, der deine Zwanziger verändern kann

Du und ich, wir gehören zu einer Generation, die sich oft und gerne beschwert

  • Über den blöden Professor
  • Über den schlecht bezahlten Einstiegsjob
  • Über die langweile Freundin
  • Über die scheiß Party
  • Über unser Leben

Ich möchte mich da nicht ausnehmen, denn auch ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich jammere. Doch wenn ich zurückblicke, dann hat mich meine Jammerei noch nie wirklich nach vorne gebracht. Stattdessen zieht mich meine Jammerei nur noch weiter runter und lässt mich noch frustrierter zurück.

Im krassen Gegensatz dazu steht Dankbarkeit:

Wenn ich dankbar bin, dann öffnet sich eine kleine Tür für mich. Ich fühle, wie Frust mein Kopf verlässt und positive Energie in meinen Körper strömt. Ich spüre, wie mein Fokus sich auf das richtet, was ich bereits habe und nicht auf das, was ich nicht habe. Ich spüre, wie großartig es ist überhaupt hier zu sein. Es ist ein kleiner Perspektivenwechsel, der den großen Unterschied zwischen Frust und Zufriedenheit macht – obwohl die Umstände gleich bleiben.

Dr. Emmons – der seit fast zehn Jahren zum Thema Dankbarkeit forscht und von vielen als die weltweit führende Autorität zum Thema Dankbarkeit angesehen wird – ist Autor des Buches ““Thanks!: How the New Science of Gratitude Can Make You Happier.” Die Informationen in diesem Buch beruhen auf einer Studie, die tausende von Menschen in ihrem Glücksniveau beobachtet hat. Eines der Dinge, die Studie zeigt ist, dass Dankbarkeit unser Glücksniveau um rund 25% steigern kann. Wie kann das sein?

So wie es ein gewisses Gewicht gibt, an mit dem sich unser Körper natürlich gut anfühlt, so gibt es auch natürliches Glücksniveau, auf dem wir uns glücklich fühlen. Wenn uns im Laufe des Tages etwas Schlimmes passiert, kann unser Glücksniveau kurz fallen, aber kehrt dann auf sein natürliches Niveau zurück.

Ebenso, wenn etwas Positives mit uns passiert, dann steigert sich unser natürliches Glücksniveau, aber fällt dann auf unser natürliches Niveau zurück. Emmons Studie zeigt, dass wir unser Glückniveau beeinflussen können und uns damit bewusst glücklicher machen können.

Je öfter wir uns in Dankbarkeit üben und Dingenin unserem Leben bewusst wertschätzen, desto höher setzt sich unser natürliches Glücksniveau fest und wir fühlen uns glücklicher, ohne dass sich unsere äußeren Umstände geändert haben. Macht Sinn, oder?

Dr. Emmons bringt seine ganze Studie auf den Punkt, als er im Buch sagt:

»To say we feel grateful is not to say that everything in our lives is necessarily great. It just means we are aware of our blessings. And that changes everything«

 

Was du heute mitnehmen sollst

Egal, wie schlecht dein Leben in diesem Moment aussieht, egal wie verzweifelt du bist, egal in welcher Krise du steckst; es gibt immer unendlich viele kleine Dinge, für die du dankbar sein kannst. Immer, immer, immer!

Und in dem Moment in dem du Dankbarkeit wählst, wirst du zufriedener werden.

Alles was du in deinem Leben wertschätzt, steigert sich in seinem Wert für dich. Schätzt du deine Gesundheit wert, dann wirst du verstärkt auf sie achten. Schätzt du deine Familie wert, dann passiert das Gleiche. Schätze deine Freunde, dein Essen, deine Möglichkeiten, deine Bildung, dein Leben – und du wirst sehen, wie sich der gefühlte Wert schlagartig erhöht.

Denke immer daran: Es ist nicht selbstverständlich, das zu haben, was wir in Deutschland haben! Deutscher zu sein ist ein Privileg, für das wir jeden Tag dankbar sein sollten. Das hat mir meine Zeit hier in Brasilien ganz deutlich gezeigt.

Nimm dir deshalb heute die Zeit und sei dankbar dafür, was das Leben bisher schon geboten hat und was es dir  morgen wieder geben wird.

Da ich mit gutem Beispiel vorangehen möchte, habe ich aufgeschrieben, für was ich heute dankbar bin:

  • Ich bin dankbar für meine Zeit hier in Brasilien
  • Ich bin dankbar für meine wunderbare Familie, die mich immer unterstützt
  • Ich bin dankbar für die Möglichkeit jeden Tag an meinem Traum arbeiten zu dürfen
  • Ich bin dankbar, dass du diese Zeilen liest
  • Ich bin dankbar für Mirelie, die mich mit ihrer Geschichte dazu angetrieben hat, diesen Beitrag zu schreiben

 

PS: Hier sind noch ein paar hilfreiche Quellen, wenn du mehr über das Thema Dankbarkeit lernen willst.

  1. Wenn du lernen willst, wie du Dankbarkeit in dein tägliches Leben integrieren kannst, dann klicke hier.
  2. In diesem tollen Artikel findest zudem 30 Wege, um Dankbarkeit zu zeigen.
  3. In diesem Beitrag von Anna von passionflow.de findest du einen ehrlichen Erfahrungsbericht über Dankbarkeit

 

Für was bist du dankbar heute?

Trau dich, und schreibe einen Kommentar über deine Erfahrungen.

PS: Falls dir der Post gefallen hat, dann teile ihn doch mit deinen Freunden und allen twentysomethings, die ihre Zwanziger richtig leben wollen

 

Das solltest du als nächstes lesen!

Pascal Keller

Pascal ist Gründer und Autor des twentysomething 1x1. Er hat zwar nicht alle Antworten auf das Leben als twentysomething, aber er versucht sie zu finden und damit anderen jungen Menschen zu helfen ihre Zwanziger zur besten Zeit ihres Lebens zu machen.

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  • Monya

    Pascal, du hast so recht! Wie schlimm sind unsere Probleme und Sorgen, gegen die die von anderen Menschen irgendwo auf der Welt? Für uns erscheint oft alles so selbstverständlich, während manche Menschen morgens schon bangen, wo sie etwas zum Abendessen herbekommen sollen, weil sie kein Geld dafür haben.
    Wir sind so unheimlich reich und wie du sagst – im Grunde mussten wir nichts dafür tun. Wir hatten einfach Glück, in Deutschland geboren zu werden.

    Ich denke oft über dieses Thema nach und vor allem beim Reisen wird einem diese Tatsache umso mehr bewusst.
    Wichtig ist für mich auch für kleine Dinge dankbar zu sein und darüber kann ich mich wahnsinnig freuen – sei es nur, dass jemand in der Bahn mir zugelächelt hat.

    Ich finde es wirklich toll, dass du Mirelie gefragt hast, wieso sie weint. Vor ein paar Wochen saß ich weinend in einem Zug und es ging mir nicht so gut – der fremde Mann, der mir einfach ein Taschentuch und ein aufmunterndes Lächeln gegeben hat war mein Held 🙂 Irgendwie ging es mir dadurch schon besser.

    Heute bin ich besonders dankbar, dass ich ein wunderschönes Wochenende im Schwarzwald mit ganz tollen Freunden hatte.

    Ich drück dich und danke für das Teilen dieser schönen Geschichte!
    Monya 🙂
    (www.becrazygohappy.de)

    • Pascal

      Hey Monya 🙂

      Schön dich mal wieder hier bei den Kommentatorinnen zu haben. Deine Kommentare sind einfach immer wunderbar!

      Ich bin auf jeden Fall dankbar, dass du diese Zeilen hier geschrieben hast und freue mich total für dich, dass du ein tolles Wochenende im Schwarzwald mit ganz tollen Freunden hatte.

      Ich drück dich auch und Danke, dass es dich gibt!

      Ne fette Umarmung,
      Pascal 🙂

  • Michael Tomoff

    Danke für deinen ehrlichen und persönlichen Artikel, lieber Pascal!
    Und auch, wenn ich die Twentysomethings schon seit ein paar Tagen verlassen habe… ich freue mich immer über Impulse zur Dankbarkeit im Leben und finde deine Beispiele echt toll! Vor allem auch der Vergleich der Länder ist spannend, denn eigentlich hätten wir in Deutschland wahrlich genug zum dankbar-Sein (du hast viele der Punkte schon angesprochen), scheinen aber doch das Gute in unserem Land als selbstverständlich zu nehmen bzw. den Blick dafür ein wenig verloren zu machen.

    Danke auch, dass du meinen Artikel verlinkt hast. Freut mich, dass er dir Impulse liefern konnte!

    Herzliche Grüße aus Bonn,
    Michael

  • Armin Habermann

    Hey Pascal,
    du hast vollkommen recht. Vor wenigen Jahren noch habe ich immer nur alles schwarz gesehen, bin gar nicht mehr aus diesem Loch der “Negativität” rausgekommen. Heute, selbst wenn es mal wieder schlecht läuft, bin ich trotzdem irgendwie glücklich.
    Jeden morgen mache ich mir bewusst, was ich habe, für das ich dankbar sein kann. Selbst wenn man total gequält aufsteht und gar keine Lust hat irgendetwas zu machen, es fallen einem mir immer viele Dinge ein die überaus positiv sind. Gerade auf langen Reisen, wird man sich den kleinen Dingen im Leben immer bewusster. Ein Dach über dem Kopf, ein gemütliches Bett, Freunde. Manchmal bin ich sooo glücklich, nur weil ich jemanden fremden treffe, mit dem ich mich gut unterhalten kann und der mich schätzt. In der Jugendherberge oder dem Bus, für einen Tag oder nur eine Stunde. Man muss die Augen offen halten nach dem Glück. Dinge ins Bewusstsein rufen, die man gewöhnlich als selbstverständlich erachtet.
    Das es einige Privilegien gibt, die wir als Deutsche genießen dürfen, ist mir immer nur so nebenbei durch die Gedanken geflitzt. Danke, dass du das einem mal so richtig bewusst machst. Und ja, es ist großartig!
    Wir sollten das nutzen, um anderen zu helfen (nur so nebenbei) 😉

    Ich finde es toll, wie du deine Artikel schreibst. Und dass du deine Erfahrungen und Gefühle offenbarst, um uns Twentysomething’s zu helfen!

    God bless you!
    Armin