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„Und, was willst du werden wenn du groß bist?“

Mit dieser Frage werden wir von Kindesbeinen an konfrontiert, und doch beschäftigt sie viele von uns wohl noch immer. Ich kann mich gut erinnern, dass ich schon als Kind keine Antwort darauf wusste. Der Büroalltag meiner Eltern hörte sich in meinen Ohren nicht besonders spannend an, und auf ewig in die Schule gehen zu müssen wie meine Lehrer wollte ich auch nicht.

Selbst von spektakulären Berufen wie Astronaut oder Ballerina träumte ich nicht. Ich war eigentlich ganz gerne Kind, und so schob ich die Frage der Erwachsenen beiseite und widmete mich stattdessen den wichtigen Dingen des Lebens.

Konkret wurde die Frage erst wieder, als es um Schulpraktika und Berufsorientierung ging. Doch auch hier kam ich nicht wirklich weiter. Die Praktika absolvierte ich auf Anraten meiner Eltern in Wirtschaftsunternehmen, und laut des Berufsauswahltests sollte ich plötzlich Kapitänin werden.

Das einzige was ich zu dem Zeitpunkt wusste, war, dass mir Lesen, Schreiben und Fremdsprachen viel Spaß bereiteten. Ich wollte also „Irgendetwas mit Sprachen“ machen – nicht besonders konkret.

So wie mir erging es auch vielen meiner Klassenkameraden. Und auch heute, wenn ich mit Kommilitonen oder anderen Studenten spreche, merke ich: Viele von uns haben noch immer keinen Schimmer, was wir nach dem Studium machen wollen und was eigentlich unser Traumberuf ist.

 

Warum wissen wir nicht, wie unser Traumjob aussieht?

Eins unserer größten Probleme bei der Berufswahl ist sicherlich ein Luxusproblem: Welchen Beruf, aus den tausenden von Möglichkeiten die ich habe, soll ich bloß auswählen? Allein in Deutschland gab es im Wintersemester 2015/2016 über 6000 verschiedene Bachelorstudiengänge (vgl. statista) – da fällt die Auswahl nicht leicht.

Doch auch nach dem Studium sind sich viele noch nicht sicher, in welche Richtung es weitergeht. Ein Grund dafür ist, dass nur die wenigsten Studiengänge wirklich zu einem konkreten Beruf führen. Klar, wenn ich Lehramt studiere werde ich höchstwahrscheinlich Lehrer.

Aber was für einen Job mache ich, wenn ich BWL studiere? Oder Psychologie? Arbeite ich in der Wirtschaft oder in der Wissenschaft, in einem Unternehmen, einer Verwaltung oder einer Praxis, als Angestellter oder Selbstständiger?

Oft fehlt uns für die Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Beruf auch einfach die Datengrundlage. Sowohl Ausbildungs- und Studiengänge als auch Berufe kennen wir vorerst meistens nur von der theoretischen Seite. Woher soll ich wissen, ob der Beruf Krankenschwester etwas für mich ist, wenn ich gar nicht so genau weiß, wie ihr Berufsalltag aussieht?

Natürlich wird es immer Menschen geben, die schon seit der fünften Klasse genau wissen, was ihr Traumberuf ist. Sie haben es gut, weil sie ihr Ziel vor Augen haben und darauf hinarbeiten können. Doch auch hier kann der Abgleich von Theorie und Praxis, von Erwartung und Realität manchmal ernüchternd sein.

 

Haben wir zu hohe Ansprüche?

Ich höre immer wieder, dass unsere Generation überhöhte Ansprüche an die Berufswelt hat. Wir wollen einen gut angesehenen Job, aber sinnvoll sollte er auch sein. Wir wollen spannende und herausfordernde Aufgaben, aber keinen Druck oder Überforderung.

Wir wollen gutes Geld verdienen, aber nicht auf unsere Freizeit verzichten. Unser Beruf soll viel mehr sein als nur Arbeit – er soll uns erfüllen und uns ermöglichen, uns selbst zu verwirklichen. Unser Traumjob soll so traumhaft sein, dass wir jeden Morgen gerne aufstehen. Hat nicht schon Konfuzius gesagt:

„Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.“ Oh, wie wundervoll! Genau das haben wir doch gesucht, oder?

Spaß beiseite, ein Job wird immer ein Job sein. Egal, ob er dir Spaß macht oder nicht, du musst arbeiten, dich anstrengen und wirst auch mal unter Stress stehen. Selbst Menschen, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, erleben Berufsalltag und Stresssituationen.

Mehr noch stellt sich die Frage, ob die einstige Leidenschaft dann überhaupt noch als Hobby gelten kann. Wir sollten uns also nichts vormachen: Das Thema Traumberuf ist ein hochemotionales Thema, bei dem sich wohl jeder von uns gerne mal in einem Mix aus Wünschen, Illusionen und Halbwissen verstrickt. Umso wichtiger ist es, unsere Erwartungen an einen Beruf einem Realitätscheck zu unterziehen.

Das heißt aber nicht, dass wir uns mit unbezahlten Überstunden, langweiligen Aufgaben oder ständigem Stress abfinden sollten. Vielmehr gilt es herauszufinden, was für uns die Marke Traumberuf ausmacht.

 

Was würdest du machen, wenn alles möglich wäre?

In dem Buch „Der Mann, der glücklich sein wollte“ bin ich auf eine inspirierende Frage gestoßen. Sinngemäß lautet sie: Was würdest du machen, in einer Welt, in der alles möglich wäre? Wow.

Da kommt man erstmal ins Stolpern. Wenn alles möglich wäre…das heißt also, wenn Geld keine Rolle spielt, wenn ich nicht den Druck spüre den Erwartungen anderer zu entsprechen und wenn ich keine Angst habe, meinen Neigungen und Talenten nachzugehen. Bezieht man diese Frage auf das Berufsleben, kann man einen Einblick in die eigenen Vorstellungen vom Traumberuf bekommen.

Es geht dabei zunächst nicht darum, inwiefern diese Vorstellungen realistisch oder umsetzbar sind. Vielmehr ist es eine Möglichkeit, die eigenen Interessen, Neigungen und Wünsche zu erforschen.

Doch keine Panik. Dein erster Job muss nicht gleich der Traumjob sein, das wäre sogar recht unwahrscheinlich. Nimm dir Zeit, dich zu orientieren, probiere Dinge aus. Ein Karrierecoach sagte mir einmal, dass die interessantesten Menschen selten die geradlinigsten Lebensläufe hätten.

Vieles entwickelt sich mit der Zeit; es gilt dabei vor allem Chancen zu erkennen und zu ergreifen. Die Suche nach dem Traumberuf ist in erster Linie auch eine Suche nach uns selbst. Wir entwickeln uns weiter, werden erwachsen, bilden eine Persönlichkeit aus. All das hängt eng mit unserer Vorstellung vom Arbeitsalltag zusammen.

 

 Wie du deinem Traumjob ein Stück näher kommst:

 

1. Beschäftige dich mit dir selbst

Ein Professor von mir formulierte einmal treffend: „Kompetenzen bilden sich bevorzugt auf den Feldern von Präferenzen“. Finde heraus, was deine Stärken und Interessen sind, unabhängig von anderen. Um deine Gedankengänge zu strukturieren, kann es hilfreich sein ein Tagebuch zu führen (oder darüber zu bloggen ;-)).

 

2. Überlege dir, wie du deine Stärken im Berufsleben einbringen könntest

Frage dich: In welchen Berufsfelder kannst du deine Stärken einbringen? Wenn du bereits einen anderen Job hast, kannst du deine Fähigkeiten und Talente zunächst auch nebenberuflich oder als Hobby ausbauen. So siehst du, ob dir die Tätigkeit auch auf Dauer Spaß macht.

 

3. Probieren geht über Studieren!

Wenn du die Möglichkeit hast, dann verschaffe dir über Praktika einen Einblick in Berufe, die dich interessieren könnten.

 

4. Führe Gespräche und informier dich

Niemand kann dir so authentisch vom Beruf erzählen wie die Menschen die ihn ausüben. Unterhalte dich daher mit Leuten über ihren Beruf und ihren Werdegang, tausche dich mit ihnen über Erfahrungen aus. Ich google auch gerne mal den beruflichen Background von bekannten Persönlichkeiten die mich inspirieren.

 

5.  Viele Wege führen dich zum Ziel

Häufig gibt es nicht den einen Weg zum Traumberuf, und auch Umwege können dich weiterbringen. Vielleicht gibt es noch nicht einmal den einen Traumjob, sondern verschiedene Optionen. Deine Zwanziger sind dazu da, dich auszuprobieren und mehr und mehr zu dir selbst zu finden. Habe also nicht den Anspruch, dass sofort alles perfekt sein muss und den Rest des Lebens so bleiben wird. Zukunftsängste sind zwar menschlich, aber nicht besonders hilfreich. Planen ist sinnvoll, aber vergiss nicht im Hier und Jetzt zu leben.

 

Was machst du, um deinen Traumberuf zu finden?

Trau dich, und schreibe einen Kommentar über deine Erfahrungen.

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Svenja Schnuell

Svenja ist offizielle Co-Autorin beim Twentysomething 1x1. Schreiben ist eine ihrer großen Leidenschaften, egal ob Artikel oder Gedichte, Englisch oder Deutsch. Dabei lässt sie sich von den Menschen und Dingen inspirieren, denen sie auf ihrer Reise durch ihre Zwanziger begegnet und die sie zum Nachdenken bringen.
  • Birk Härtel

    Ich denke, der Spaßfaktor wird im Allgemeinen unterschätzt. Jeder von uns hatte bestimmt schon Umgang mit Leuten, denen man ansieht, dass sie nicht gerade in ihrem Traumberuf sitzen (Sekretäre, für die Kunden den Arbeitsablauf störenM; IT-Helfer, die ständig über den DAU fluchen; Lehrer ohne Motivation für die Lehre). Und schlimmer noch: Sie müssen diesen Beruf noch einige Zeit ausüben. Ein Beruf sollte mehr als nur ein Job sein. Es ist doch schön, wenn einen der persönliche Überlebenskampf auf ganz persönliche Art und Weise fordert und von Zeit zu Zeit viel Spaß bereitet. Mir gefällt die Idee des “Beschäftige dich mit dir selbst”. Denn besonders die Dinge die einem Spaß machen kann man bereits gut oder man kann sie ohne allzu große Anstrengung lernen… und umgekehrt. Steht man ausbildungs- oder studientechnisch schon mit beiden Beinen in einem Thema drin, weiß aber nicht, was man machen soll, ist es eine Idee, nach exotischeren Berufschancen Ausschau zu halten; zumindest habe ich mir das sagen lassen. So gibt es Psychologen, die die Mechanismen von Computerspielen ausbalancieren, damit der Spieler weder gelangweilt oder überfordert wird, Astrophysiker, die in Wirtschaftsunternehmen ohne große ökonomische Vorbelastung empirische und analytische Strategien entwickeln und Gymnasiallehrer, die die Schule Schule sein lassen und in Entwicklungsländern unabhängig von Institutionen ihr Wissen weitergeben. Ich kann mich der Idee, es gebe mehr als nur einen Weg zum Glück also zu 100% anschließen 😉
    Glück auf

    • Pascal

      Yeah! Danke, dass du uns deine Sicht die Dinge gibst, lieber Birk. Und ich kann dir da nur zustimmen: Spaß ist ein Faktor bei der Arbeit, auch wenn man bedenken muss, dass nicht immer alles zu jede Zeit Spaß machen kann. Mir macht es zum Beispiel Spaß Beiträge zu schreiben, aber während ich sie schreibe ist es oft ein kleiner Kampf mit mir selbst, denn ich muss tief nachdenken und dranbleiben, damit am Ende etwas Gutes dabei rauskommt.

      Saludos,
      Pascal

    • Svenja

      Hey Birk, danke für deinen Kommentar. Du beschreibst sehr gut, wie es wohl vielen Leuten heute in der Arbeitswelt ergeht: Der Job ist eben doch nur ein Job und Spaß hat man in der Freizeit; dafür wird dann mit der berühmten Work-Life-Balance geworben. Dabei fällt mir die eine Stunde, die ich mehr arbeite vielleicht gar nicht auf, wenn ich hinter dem stehe, was ich beruflich tue. Interessant finde ich in dem Zusammenhang übrigens auch den Gedanken, Beruf komme von Berufung. Da wären wir nämlich schon wieder beim Spaßfaktor und der Selbsterfüllung. So wie du schreibst bin ich mir aber sicher, dass du deinen Traumberuf finden wirst oder ihn vielleicht ja schon gefunden hast. Und du hast Recht, man kann sich auch mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung in so viele Richtungen weiterentwickeln – zum Glück! 🙂

      Liebe Grüße
      Svenja