61C38E9964-min

In unseren Zwanzigern erleben wir die Liebe mit all ihren emotionalen Höhen und Tiefen. Wir stürzen in ein Gefühlschaos, das wir sonst in keiner anderen Lebensphase so stark verspüren. Wir werden konfrontiert mit Wertvorstellungen, gesellschaftlichen Normen und eigenen Bedürfnissen.

Wir müssen erleben, dass die Schmetterlinge im Bauch innerhalb weniger Wochen absterben können. Dass aus der Leidenschaft von gestern heute Langeweile geworden ist. Und dass Worte sich schön anhören, aber nicht immer gehalten werden. Wir müssen lernen loszulassen, und uns wieder neu einzulassen.

In den Zwanzigern lernen wir fürs Leben – auch in Sachen Liebe.

Um besser zu verstehen, was Liebe für uns ist und was sie mit uns macht, lohnt es sich, die Sache mit ein wenig Abstand mal genauer zu betrachten: Was bedeutet Liebe für mich? Was hat in meinen Beziehungen nicht gepasst? Was habe ich dabei über mich selbst und andere gelernt?

Mit diesen Fragen habe ich mich nach dem Ende meiner letzten Beziehung beschäftigt. Dabei habe ich wichtige Erkenntnisse gewonnen und daraus 15 Lektionen formuliert, die mich das Twentysomething-Leben bisher gelehrt hat.

 

Lektion Nr. 1: Ein schöner Körper ist nicht alles.

Natürlich fühlen wir uns besonders von Menschen angezogen, die unserer Meinung nach attraktiv aussehen. Doch schon der kleine Prinz wusste: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche bleibt den Augen verborgen.“ Nur wenn der Charakter einer Person genauso schön ist, und man ähnliche Interessen und Ansichten hat, besteht die Chance, dass sich mehr entwickelt. Eine Person, zu der man sich nur körperlich, aber nicht emotional hingezogen fühlt, kann auf die Dauer sehr langweilig und unerfüllend sein.

 

Lektion Nr. 2: Sei immer du selbst.

Wenn du das Gefühl hast, dich für eine Person verbiegen zu müssen, dann kann man nicht von Liebe sprechen. Rational betrachtet führt das auch zu gar nichts: Du lügst nicht nur die andere Person, sondern auch dich selbst an. Und am Ende werdet ihr beide unglücklich. Du, weil du nicht du selbst sein kannst, und dein Partner, weil du nicht der Mensch bist, der du vorgabst zu sein.

 

Lektion Nr. 3: Niemand wird dich retten.

Viele von uns haben die Vorstellung, dass irgendwann eine Person in ihr Leben hineinspazieren wird, die alles verändert. Eine Person, die uns glücklich macht und mit der wir das Leben führen, das wir uns immer gewünscht haben. So eine Person gibt es nicht. Du kannst niemanden für dein persönliches Glück verantwortlich machen, dafür bist nur du allein zuständig.

 

Lektion Nr. 4: Hör auf zu suchen!

Ob im Club,  bei Tinder oder auf Dating-Websites – wir sind ständig auf der Suche nach unserem Gegenstück. Doch wer die ganze Zeit nach der großen Liebe tastet, versäumt es oft, Menschen unvoreingenommen kennenzulernen. Meine Mama hat mir immer gesagt: „Du wirst dann jemanden finden, wenn du nicht danach suchst.“ Und Mamas haben meistens Recht. Einen Partner sucht man nicht, man findet ihn. Und zwar dann, wenn man am wenigsten damit rechnet.

 

Lektion Nr. 5: Allein sein ist okay.

Die Gesellschaft gaukelt uns vor, wir sind nur etwas wert, wenn wir in einer Beziehung sind. Singles sind bemitleidenswert und sollten ihre Zeit damit verbringen, endlich ihr passendes Gegenstück zu finden. Alles Quatsch! Wenn du gerade Single bist, dann nutze die Zeit für dich. Tu, was du schon immer tun wolltest. Lern dich selbst besser kennen, bau deine Talente aus, beweg dich aus deiner Komfortzone, mach was Verrücktes!

 

Du bist uns WICHTIG!

Deshalb habe ich für Dich eine kleine Überraschung.

>> Hier geht es zu den Geschenken <<

 

Lektion Nr. 6: Liebeskummer ist scheußlich.

Und das ist noch untertrieben. Eine Freundin beschrieb es einmal mit den passenden Worten: „Es ist wie eine sehr lange Beerdigung“. Doch auch die längste Trauerfeier geht irgendwann einmal vorbei. Du wirst es überleben. Und trotzdem, ja, es ist schrecklich!

 

Lektion Nr. 7: Auf „Warum?“ gibt es nicht immer eine Antwort.

Wenn Beziehungen scheitern, ist das für mindestens einen der Partner oft unbegreiflich. „Warum?“, fragst du, mit Tränen in den Augen. Du willst ein klärendes Gespräch, eine Antwort. Du willst die Entscheidung deines Ex-Partners verstehen. Warum? Doch oft gibt es für so etwas keine Erklärung. Gefühle ändern sich, Menschen verändern sich. Es gibt keinen Schuldigen und es gibt keine Logik. Da bleibt am Ende nur eins: Es zu akzeptieren.

 

Lektion Nr. 8: Es wird jemand anders kommen.

Ich weiß, wenn du gerade verlassen wurdest, glaubst du mir nicht. Und du willst keine abgedroschenen Sprüche hören, à la „Andere Mütter haben auch schöne Söhne/Töchter“. Klar, du hast einen Menschen verloren, der dich auf einem Stück deines Lebensweges begleitet und einen Platz in deinem Herzen erobert hat. Und doch wird die Zeit kommen, in der du deine Trauer überwunden hast und jemand neues in dein Leben tritt. Bei über 7 Milliarden Menschen auf der Welt gar nicht so unwahrscheinlich, oder?

 

Lektion Nr. 9: Zu lieben heißt immer wieder, ein Risiko einzugehen.

In gewisser Weise gibst du dich jemandem hin, lieferst dich aus. Du gehst ein Risiko ein, weil du eine Person nie zu hundert Prozent kennen kannst – und trotzdem beschließt, zu vertrauen. Und weil du nicht weißt, was die Zukunft bringt. Vielleicht werdet ihr euch in verschiedene Richtungen entwickeln, vielleicht wird jemand verletzt. Vielleicht aber auch nicht. Und das ist es wert, immer wieder.

 
Lektion Nr. 10: Die romantische Liebe in ewiger Treue und Monogamie gibt es nur in Liebesliedern, Romanen und Märchen.

Und vielleicht in der Welt unserer Großeltern. Das bedeutet nicht, dass Liebe nicht romantisch sein kann. Aber es gibt eben nicht nur die eine Person, den einen Deckel, der auf den Topf passt. Eigentlich auch beruhigend, oder?

 

Lektion Nr. 11: Du wirst im Leben unterschiedliche Partner auf unterschiedliche Weisen lieben.

Keine Beziehung ist wie die andere, denn jeder Mensch ist individuell und einzigartig. Außerdem bleibst du nicht stehen, du entwickelst dich ständig weiter und wächst. Darum können sich auch dein Verhalten und dein Verständnis von Liebe ändern.

 

Lektion Nr. 12: Zu lieben bedeutet, dass einem das Herz weit und warm wird, wenn man an bestimmte Menschen denkt.

Dazu können auch Freunde und Familie gehören. Die partnerschaftliche Liebe ist nur eine Form der Liebe. Eine Form, nach der wir alle wie verrückt streben – und dabei manchmal fast vergessen, wie viele Menschen uns jetzt schon lieben.

 

Lektion Nr. 13: Beziehung bedeutet, den Alltag gemeinsam zu erleben.

Und dazu gehört alles: Die schönen und aufregenden Momente, aber auch die anstrengenden, traurigen oder einfach stinknormalen Augenblicke. Nur so kannst du jemanden tatsächlich in dein Leben lassen, und nur so lernst du einen Menschen wirklich kennen – abseits vom Sandstrand, zwischen Müll runterbringen, für die Uni lernen, Grippe und Gutenachtkuss.

 

Lektion Nr. 14: Beziehung bedeutet, sich immer wieder abzugrenzen.

Es bedeutet, bei sich selbst zu bleiben, zu streiten und das Miteinander auszuhandeln. Es passt nie alles hundertprozentig. Die Belohnung für all die Anstrengungen ist eine intensive Beziehung zu einem Menschen und Geborgenheit.

 

Lektion Nr. 15: Beziehungen prägen dich.

Fest steht, wenn man jemanden emotional und körperlich so nah an sich ran lässt, dann hinterlässt das Spuren, die man nicht einfach so wieder wegwischen kann. Das ist manchmal schön, und manchmal traurig. Doch dabei lernst du vor allem eine Person immer besser kennen: Dich selbst! Frag dich, was dir wichtig ist, was du brauchst, und was du gerne hinter dir lässt.

 

Das waren meine 15 Lektionen in Sachen Liebe. Und ich bin mir sicher, die Liste wird noch länger. Mich interessiert, was deine persönlichen Erkenntnisse sind. Erzähl uns doch in den Kommentaren, was dich dein Liebesleben bisher gelehrt hat!

 

Hast du noch eine hilfreiche Lektion in Sachen Liebe?

Trau dich, und schreibe einen Kommentar über deine Erfahrungen.

PS: Falls dir der Post gefallen hat, dann teile ihn doch mit deinen Freunden und allen Twentysomethings, die ihre Zwanziger richtig leben wollen.

 

Das solltest du als nächstes lesen!

Svenja Schnuell

Svenja ist offizielle Co-Autorin beim Twentysomething 1x1. Schreiben ist eine ihrer großen Leidenschaften, egal ob Artikel oder Gedichte, Englisch oder Deutsch. Dabei lässt sie sich von den Menschen und Dingen inspirieren, denen sie auf ihrer Reise durch ihre Zwanziger begegnet und die sie zum Nachdenken bringen.

 

  • Monya

    Hi Svenja,
    super geschrieben! Ich kann den meisten Punkten eigentlich nur beipflichten.
    Der Vergleich des Liebeskummers mit einer sehr langen Beerdigung – sehr treffend! Tage- oder Wochenlang denkt man, man lebt keine Minute länger, aber es geht eben doch immer weiter 🙂

    Ich selbst werde mir Lektion 4 und Lektion 8 zu Herzen nehmen. Nach einer schmerzhaften Trennung bin ich ab und zu immer noch an dem Punkt, an dem ich denke, dass da niemals jemand anderes kommen wird. Und gleichzeitig suche ich doch eher, als aufs Finden zu vertrauen.

    Liebe Grüße,
    Monya

    • Svenja

      Hey Monya,

      vielen Dank für dein Feedback! Ich kann dir nur zustimmen, Lektion 8 ist sicher eine der schwierigsten. Auch deshalb, weil Suchen ja etwas Aktives ist, während Finden zunächst eher passiv ist. Da gehört auf jeden Fall viel Vertrauen und auch Gelassenheit dazu!

      Viele liebe Grüße ans andere Ende der Welt 🙂
      Svenja

  • Dieser Artikel ist vielleicht einer der schönsten und wahrsten, die ich in den letzten Tagen gelesen habe. Die Liebe ist eben immer noch ein Mysterium und ich glaube, jeder Mensch – egal welchen Alters – ist noch dabei sie zu ergründen. Dabei sollten wir uns manchmal auch klar machen, dass die Idee der sog. “Liebesheirat” noch gar nicht einmal so alt und – historisch gesehen – sogar eher die Ausnahme darstellt. Also dass Menschen aus (erst erotischen und dann) romantischen Gefühlen heraus den zwischenmenschlichen Zweierbund eingehen, müssen wir bis heute eigentlich noch als Experiment ansehen, da das Gegenkonzept einer Zweckgemeinschaft (aus wirtschaftlichen, gesundeheitlichen oder sontigen Gründen) in der Menschheitsgeschichte bisher dominiert hat. Ganz schön unromantisch, was? 🙂

    Dass dieses unromantische Konzept den Menschen das Überleben aber seit 200.000 Jahren sichert, muss mE. aber auch bedeuten, dass es Elemente oder Beweise beinhaltet, die auch für uns von Nutzen sein können. So bin ich der festen Überzeugung, dass wir uns von diesem Konzept einer “Überlebens- und Zweckgemeinschaft” schon eine Sache abschauen können: Romantische und erotische Gefühle sind vergänglich und deswegen nicht unverzichtbar. Ähnliches schreibst du ja auch in “Lektion 1”. Man muss sich ab einem bestimmten Alter bewusst machen, ob man nach Romantik und Erotik allein strebt oder gleichzeitig jemanden für den gemeinsamen Herbst des Lebens sucht. Denn mit diesem jemand wird man nachher den größten Teil der Beziehung ohne Erotik und Romantik verbringen. Bitte nicht falsch verstehen: Das heißt nicht, dass im Alter keine Romantik und Sexualität mehr stattfinden kann. Aber sie nehmen im Zeitverlauf naturgeäß einfach ab. Wer das ignoriert, ist naiv…
    Deswegen finde ich deinen Punkt 13 auch sehr passend und sehr, sehr wichtig. Wie Peter Gabriel eben schon singt: “The book of love is long and boring, and written very long ago.”
    Aber im Alter jemanden zu haben, mit dem man die Anfänge von etwas Großem geteilt hat und dessen Augen man plötzlich das Gleiche Glitzern sieht wie 50 Jahre zuvor, muss traumhaft schön und unersetzbar sein. Hoffe ich jedenfalls…

    Es bedeutet aber auch, dass man sich klarmachen muss, dass die kleinen Fehler des Partners, die diesen am Anfang süß und etwas später liebenswert erscheinen lassen, die großen Probleme von morgen sein werden. Auch hier halte ich Naivität für Fehl am Platz.

    Daneben ist Lektion 15 sehr wichtig, finde ich. Mich hat noch jede Beziehung geprägt und verändert. Und ich weiß, dass es meinen Partnerinnen ebenso ging. Es kommen zwei Ichs, werden zu einem Wir und trennen sich als zwei neue Ichs, die sich aus dem Wir neu gruppiert haben – pure Metaphysik, sollte man meinen. 🙂

    Liebe Grüße

    Oliver

    • Svenja

      Und dieser Kommentar ist vielleicht einer der schönsten, den ich in den letzten Tagen gelesen habe 🙂
      Vielen Dank für dein Feedback und dass du deine Erfahrungen hier mit uns teilst!

      Den Gedanken, dass sich das Konzept Liebe historisch gesehen immer wieder verändert hat, finde ich sehr interessant. Ähnliches kann man ja auch beobachten, wenn man sich in anderen Kulturen umschaut. Wobei ich glaube, dass wir letztendlich alle auf der Suche nach dem gleichen sind…ein Wir, in dessen Zweisamkeit wir uns trotzdem frei fühlen.

      Liebe Grüße,
      Svenja